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Auch am Tag darauf half Mausami Helga mit allen möglichen Arbeiten, sie wuschen Wäsche, trugen die Lebensmittel ins Lager und bereiteten das Essen für die Kinder vor. Eyk war noch nicht zurückgekehrt und so gab es kein weiteres Zusammentreffen von ihm und Mausami. Am Nachmittag gingen die zwei Frauen nach draußen, um im Garten das Unkraut zu jäten und die Blumen zu pflegen. Sanft schien die Sonne vom Himmel und wärmte Mausamis Rücken. Während sie so da sass, hing sie ihren Gedanken nach und merkte nicht wirklich, was um sie herum geschah. Nach einer Weile sprach Helga: "Ich muss kurz ins Haus. Mach einfach weiter, ich bin gleich wieder da!" Die Wikingerin nickte abwesend und zupfte ein weiteres Unkraut aus der Erde. Plötzlich hörte sie ein leises Krächzen über sich, welches ihr bekannt vorkam. Sie blickte nach oben und sah Horus über sich kreisen. Am liebsten hätte sie vor Freude laut geschrien, doch sie riss sich zusammen und streckte ruhig ihren Arm aus. Sofort landete ihr Falke darauf und liess sich genüsslich den Kopf kraulen. "Ich bin so froh, dass du hier bist!", flüsterte Mausami ihm ins Ohr. Gleichzeitig wusste sie aber auch, dass es gefährlich für ihn war, lange zu bleiben. Sie zog sich eines ihrer Armbänder ab und legte es dem Vogel vorsichtig ums Bein. "So, mein Junge, flieg jetzt los und bring diese Kette zu meiner Familie. Ich weiss, dass du ihnen den Weg weisen wirst!", murmelte die Wikingerin ihrem Vogel sanft zu und liess ihn dann wieder in die Lüfte steigen. Sie blickte ihm nach, doch schon bald war er aus ihrem Sichtfeld verschwunden. "Faszinierende Wesen, nicht wahr?", fragte plötzlich eine Stimme hinter ihr und Mausami schrak zusammen. Sie drehte sich um und sah sich einem Wikinger gegenüber, welchen sie auch schon zusammen mit Eyk gesehen hatte. Sie versuchte in seinem Gesichtsausdruck zu lesen, was er alles gesehen hatte, doch sie konnte es nicht erkennen. "Ja, es sind wirklich schöne Tiere! Es muss toll sein, so fliegen zu können", antwortete sie und hoffte, dass er nicht beobachtet hatte, wie sie dem Falken etwas mitgegeben hatte. "Wie wahr! Aber ich hoffe doch, dass dieses hübsche Vögelchen nicht auch auf die Idee kommt, davon zu flattern", sprach der Mann, umfasste ihr Kinn und blickte ihr tief in die Augen. Und da erkannte sie, dass sie aufgeflogen war. In ihrem Gesicht zeichnete sich der Schrecken und die Angst ab und er antwortete mit einem bösen Grinsen darauf. Er knurrte: "Wie schade nur, dass deine Familie dich nie hier finden wird!" Mit diesen Worten packte er sie grob am Arm und zerrte sie mit sich. Mausami schrie laut und versuchte sich los zu reißen, doch sein Griff war zu stark. Sie sah noch, wie Helga aus dem Haus gerannt kam und ihnen verwirrt hinterher blickte, doch da hatte der Mann sie auch schon um die Hausecke gezerrt.
 
Auch am Tag darauf half Mausami Helga mit allen möglichen Arbeiten, sie wuschen Wäsche, trugen die Lebensmittel ins Lager und bereiteten das Essen für die Kinder vor. Eyk war noch nicht zurückgekehrt und so gab es kein weiteres Zusammentreffen von ihm und Mausami. Am Nachmittag gingen die zwei Frauen nach draußen, um im Garten das Unkraut zu jäten und die Blumen zu pflegen. Sanft schien die Sonne vom Himmel und wärmte Mausamis Rücken. Während sie so da sass, hing sie ihren Gedanken nach und merkte nicht wirklich, was um sie herum geschah. Nach einer Weile sprach Helga: "Ich muss kurz ins Haus. Mach einfach weiter, ich bin gleich wieder da!" Die Wikingerin nickte abwesend und zupfte ein weiteres Unkraut aus der Erde. Plötzlich hörte sie ein leises Krächzen über sich, welches ihr bekannt vorkam. Sie blickte nach oben und sah Horus über sich kreisen. Am liebsten hätte sie vor Freude laut geschrien, doch sie riss sich zusammen und streckte ruhig ihren Arm aus. Sofort landete ihr Falke darauf und liess sich genüsslich den Kopf kraulen. "Ich bin so froh, dass du hier bist!", flüsterte Mausami ihm ins Ohr. Gleichzeitig wusste sie aber auch, dass es gefährlich für ihn war, lange zu bleiben. Sie zog sich eines ihrer Armbänder ab und legte es dem Vogel vorsichtig ums Bein. "So, mein Junge, flieg jetzt los und bring diese Kette zu meiner Familie. Ich weiss, dass du ihnen den Weg weisen wirst!", murmelte die Wikingerin ihrem Vogel sanft zu und liess ihn dann wieder in die Lüfte steigen. Sie blickte ihm nach, doch schon bald war er aus ihrem Sichtfeld verschwunden. "Faszinierende Wesen, nicht wahr?", fragte plötzlich eine Stimme hinter ihr und Mausami schrak zusammen. Sie drehte sich um und sah sich einem Wikinger gegenüber, welchen sie auch schon zusammen mit Eyk gesehen hatte. Sie versuchte in seinem Gesichtsausdruck zu lesen, was er alles gesehen hatte, doch sie konnte es nicht erkennen. "Ja, es sind wirklich schöne Tiere! Es muss toll sein, so fliegen zu können", antwortete sie und hoffte, dass er nicht beobachtet hatte, wie sie dem Falken etwas mitgegeben hatte. "Wie wahr! Aber ich hoffe doch, dass dieses hübsche Vögelchen nicht auch auf die Idee kommt, davon zu flattern", sprach der Mann, umfasste ihr Kinn und blickte ihr tief in die Augen. Und da erkannte sie, dass sie aufgeflogen war. In ihrem Gesicht zeichnete sich der Schrecken und die Angst ab und er antwortete mit einem bösen Grinsen darauf. Er knurrte: "Wie schade nur, dass deine Familie dich nie hier finden wird!" Mit diesen Worten packte er sie grob am Arm und zerrte sie mit sich. Mausami schrie laut und versuchte sich los zu reißen, doch sein Griff war zu stark. Sie sah noch, wie Helga aus dem Haus gerannt kam und ihnen verwirrt hinterher blickte, doch da hatte der Mann sie auch schon um die Hausecke gezerrt.
 
<br />Mausami wehrte sich mit Händen und Füssen gegen den Griff des Mannes, doch er war zu stark. Sie dachte hektisch darüber nach, wie sie freikommen könnte und da realisierte sie, dass sie noch den Spaten für die Gartenarbeiten an einem Gürtel um ihre Taille gebunden hatte. Der Wikinger blickte sie nicht an und so konnte sie unauffällig mit ihrer freien Hand nach dem Werkzeug greifen. Sie hielt den Spaten mit festem Griff und wusste, dass der erste Schlag sitzen musste, denn ansonsten wäre sie noch tiefer in der Klemme, als sie es bereits war. Sie versuchte mit dem Mann Schritt zu halten, damit sie nicht strauchelte, holte tief Luft und schlug ihm den Spaten auf den Kopf. Der Wikinger brüllte vor Schmerz auf, sackte in die Knie und liess Mausamis Arm los. Diese rannte sofort los und warf keinen weiteren Blick zurück. Sie hörte, wie der Mann fluchte und laut nach Verstärkung rief. Diese schien ganz in der Nähe gewesen zu sein, denn die Flüchtende konnte bereits mehrere Stimmen hören, welche in ihre Richtung kamen. Mausami rannte so schnell sie konnte in den Wald hinein, damit die Wikinger ihr nicht so leicht folgen konnten. Sie sprang über hervorstehende Wurzeln, rannte an Brennnesseln vorbei und schrammte sich an spitzen Ästen die Arme auf. Sie steckte all ihre Energie in ihre Beine und schaute nicht zurück, doch sie konnte die Männer hinter sich atmen hören und sie wusste, dass sie immer näher kamen. Verzweifelt versuchte sie ihre Schritte zu beschleunigen, doch sie merkte, wie ihre Kraft sie langsam verließ. Nicht nur die Flucht, sondern auch schon die vorherigen Versuche, aus dem Griff des Mannes frei zu kommen, hatten ihre Energie beansprucht. Sie sprang über einen umgefallenen Baumstamm, blieb mit ihrem Kleid hängen und konnte sich nur knapp wieder losreißen, bevor die Männer sie erreicht hätten. Sie strauchelte und schlitterte eine kleine Absenkung hinunter. Unten angekommen, sprang sie sofort wieder auf und versuchte schnell hinter einem grossen Felsen zu verschwinden, ohne dass die Wikinger, welche sie verfolgten, dies mitbekamen. Als sie jedoch sah, was sich dahinter verbarg, schrie sie erschrocken auf. Vor ihr richtete sich ein Riesenhafter Albtraum zur vollen Größe auf und knurrte ihr gefährlich ins Gesicht. Wie erstarrt blickte Mausami dem majestätischen Geschöpf in die Augen und hörte hinter sich: "Da haben wir dich, du kleines Miststück!" Eine andere Stimme sog erstaunt die Luft ein und flüsterte: "Das ist ja ein Prachtexemplar für die Arena!" Als eine kräftige Hand sich um Mausamis Arm schloss, dachte sie schon, dass sie jetzt wieder die Gefangene war, doch der Mann schleuderte sie aus dem Weg und die Wikinger begannen langsam den Drachen einzukreisen. Mausami landete hart am Fusse des Felsens und beobachtete mit Schrecken, wie die Wikinger mit ihren Schwertern immer wieder den Drachen angriffen, damit er keine Zeit hatte, um davon zu fliegen.
 
<br />Mausami wehrte sich mit Händen und Füssen gegen den Griff des Mannes, doch er war zu stark. Sie dachte hektisch darüber nach, wie sie freikommen könnte und da realisierte sie, dass sie noch den Spaten für die Gartenarbeiten an einem Gürtel um ihre Taille gebunden hatte. Der Wikinger blickte sie nicht an und so konnte sie unauffällig mit ihrer freien Hand nach dem Werkzeug greifen. Sie hielt den Spaten mit festem Griff und wusste, dass der erste Schlag sitzen musste, denn ansonsten wäre sie noch tiefer in der Klemme, als sie es bereits war. Sie versuchte mit dem Mann Schritt zu halten, damit sie nicht strauchelte, holte tief Luft und schlug ihm den Spaten auf den Kopf. Der Wikinger brüllte vor Schmerz auf, sackte in die Knie und liess Mausamis Arm los. Diese rannte sofort los und warf keinen weiteren Blick zurück. Sie hörte, wie der Mann fluchte und laut nach Verstärkung rief. Diese schien ganz in der Nähe gewesen zu sein, denn die Flüchtende konnte bereits mehrere Stimmen hören, welche in ihre Richtung kamen. Mausami rannte so schnell sie konnte in den Wald hinein, damit die Wikinger ihr nicht so leicht folgen konnten. Sie sprang über hervorstehende Wurzeln, rannte an Brennnesseln vorbei und schrammte sich an spitzen Ästen die Arme auf. Sie steckte all ihre Energie in ihre Beine und schaute nicht zurück, doch sie konnte die Männer hinter sich atmen hören und sie wusste, dass sie immer näher kamen. Verzweifelt versuchte sie ihre Schritte zu beschleunigen, doch sie merkte, wie ihre Kraft sie langsam verließ. Nicht nur die Flucht, sondern auch schon die vorherigen Versuche, aus dem Griff des Mannes frei zu kommen, hatten ihre Energie beansprucht. Sie sprang über einen umgefallenen Baumstamm, blieb mit ihrem Kleid hängen und konnte sich nur knapp wieder losreißen, bevor die Männer sie erreicht hätten. Sie strauchelte und schlitterte eine kleine Absenkung hinunter. Unten angekommen, sprang sie sofort wieder auf und versuchte schnell hinter einem grossen Felsen zu verschwinden, ohne dass die Wikinger, welche sie verfolgten, dies mitbekamen. Als sie jedoch sah, was sich dahinter verbarg, schrie sie erschrocken auf. Vor ihr richtete sich ein Riesenhafter Albtraum zur vollen Größe auf und knurrte ihr gefährlich ins Gesicht. Wie erstarrt blickte Mausami dem majestätischen Geschöpf in die Augen und hörte hinter sich: "Da haben wir dich, du kleines Miststück!" Eine andere Stimme sog erstaunt die Luft ein und flüsterte: "Das ist ja ein Prachtexemplar für die Arena!" Als eine kräftige Hand sich um Mausamis Arm schloss, dachte sie schon, dass sie jetzt wieder die Gefangene war, doch der Mann schleuderte sie aus dem Weg und die Wikinger begannen langsam den Drachen einzukreisen. Mausami landete hart am Fusse des Felsens und beobachtete mit Schrecken, wie die Wikinger mit ihren Schwertern immer wieder den Drachen angriffen, damit er keine Zeit hatte, um davon zu fliegen.
<br/>Der Drache wehrte sich indem er versuchte nach den Wikingern zu schnappen, doch diese konnten immer knapp ausweichen oder dann wurde der Drache genau in diesem Moment von einem anderen Wikinger mit dem Schwert getroffen, dass er sich vor Schmerz aufbäumte und den Menschen so verfehlte. Doch trotz der Übermacht konnte sich der Riesenhafte Alptraum wehren und schlug mit einem heftigen Flügelschlag zwei der Männer von sich. Der eine wurde gegen einen Baum geschleudert, rappelte sich aber gleich wieder auf und stieg wieder in den Kampf ein. Für den zweiten ging es nicht so gut aus. Er wurde gegen den grossen Felsen geschleudert, schlug sich den Kopf auf und blieb bewusstlos liegen. Mausami blickte den Wikinger geschockt an, wendete ihren Blick aber wieder ab und dem Kampf zu. Die Männer schienen langsam die Überhand zu gewinnen, denn der Drache konnte nicht die Angriffe von allen Seiten auf einmal verteidigen. Die Wikinger wollten den Alptraum offensichtlich schwächen, damit sie ihn anschließend einfach in die Arena transportieren konnten. Plötzlich jedoch drehte sich der Drache schnell einmal im Kreis, warf so mehrere Männer auf den Boden und schleuderte ein paar weg von der Lichtung. Nun sah die Situation wieder ganz anders aus. Innert kürzester Zeit hatte sich der Drache von dieser Übermacht befreit und sah sich jetzt nur noch einer überschaubaren Anzahl Wikinger gegenüber. Die Männer hatten dies natürlich auch realisiert und so versuchten sie diesen Kampf möglichst schnell zu gewinnen, bevor sie noch weitere Männer verloren. Der Drache jedoch hatte durch die nun verbesserte Aussicht auf seine Freiheit wieder neue Energie erkoren und wehrte sich noch stärker. Er konnte noch weitere Wikinger von sich schleudern und knurrte den letzten noch vor ihm stehenden Mann an. Alle anderen lagen verstreut auf dem Boden und hielten sich ihre Wunden oder waren ohnmächtig. Doch da sah Mausami, wie sich einer dieser Männer hinter dem Drachen lautlos erhob und mit gezücktem Schwert auf den Drachen zulief. Da die Wikingerin nicht wollte, dass der Drache in Gefangenschaft kam oder sogar sterben musste, überlegte sie nicht lange, sondern schnappte sich das Schwert des ohnmächtigen Wikingers und rannte los. Kurz bevor das Schwert des Drachenfängers niedersausen konnte, schlug Mausami ihre Waffe dagegen und bremste so den Schwung des anderen. Bei diesem Klirren wirbelte der Drache herum, schlug dabei den Wikinger, welcher vor ihm gestanden hatte, aus dem Weg und richtete sich knurrend vor Mausami und dem Drachenfänger auf. Dieser war jedoch so wütend, weil sein Siegesschlag verhindert wurde, dass er sich auf Mausami stürzen wollte, um sich an ihr zu rächen. Bevor er dies machen konnte, schnappte ihn der Drache und schleuderte ihn in hohem Bogen davon. Mausami rappelte sich vorsichtig auf und sah sich dem Alptraum Auge in Auge gegenüber. Langsam liess sie das Schwert fallen und blickte ihn entschlossen an. Der Drache hielt den Augenkontakt für eine Weile, dann schnaubte er und verschwand mit einem starken Flügelschlag zwischen den Baumwipfeln. Mausami konnte es nicht glauben und blickte sich etwas verwirrt um. Die Wikinger lagen alle noch am Boden und jene, welche noch nicht das Bewusstsein verloren hatten, verbanden sich ihre Wunden. Die Wikingerin wusste, dass sie nicht länger bleiben konnte, denn sie würden sich bald erholen und so rannte sie los in den Wald hinein.
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<br />Der Drache wehrte sich indem er versuchte nach den Wikingern zu schnappen, doch diese konnten immer knapp ausweichen oder dann wurde der Drache genau in diesem Moment von einem anderen Wikinger mit dem Schwert getroffen, dass er sich vor Schmerz aufbäumte und den Menschen so verfehlte. Doch trotz der Übermacht konnte sich der Riesenhafte Alptraum wehren und schlug mit einem heftigen Flügelschlag zwei der Männer von sich. Der eine wurde gegen einen Baum geschleudert, rappelte sich aber gleich wieder auf und stieg wieder in den Kampf ein. Für den zweiten ging es nicht so gut aus. Er wurde gegen den grossen Felsen geschleudert, schlug sich den Kopf auf und blieb bewusstlos liegen. Mausami blickte den Wikinger geschockt an, wendete ihren Blick aber wieder ab und dem Kampf zu. Die Männer schienen langsam die Überhand zu gewinnen, denn der Drache konnte nicht die Angriffe von allen Seiten auf einmal verteidigen. Die Wikinger wollten den Alptraum offensichtlich schwächen, damit sie ihn anschließend einfach in die Arena transportieren konnten. Plötzlich jedoch drehte sich der Drache schnell einmal im Kreis, warf so mehrere Männer auf den Boden und schleuderte ein paar weg von der Lichtung. Nun sah die Situation wieder ganz anders aus. Innert kürzester Zeit hatte sich der Drache von dieser Übermacht befreit und sah sich jetzt nur noch einer überschaubaren Anzahl Wikinger gegenüber. Die Männer hatten dies natürlich auch realisiert und so versuchten sie diesen Kampf möglichst schnell zu gewinnen, bevor sie noch weitere Männer verloren. Der Drache jedoch hatte durch die nun verbesserte Aussicht auf seine Freiheit wieder neue Energie erkoren und wehrte sich noch stärker. Er konnte noch weitere Wikinger von sich schleudern und knurrte den letzten noch vor ihm stehenden Mann an. Alle anderen lagen verstreut auf dem Boden und hielten sich ihre Wunden oder waren ohnmächtig. Doch da sah Mausami, wie sich einer dieser Männer hinter dem Drachen lautlos erhob und mit gezücktem Schwert auf den Drachen zulief. Da die Wikingerin nicht wollte, dass der Drache in Gefangenschaft kam oder sogar sterben musste, überlegte sie nicht lange, sondern schnappte sich das Schwert des ohnmächtigen Wikingers und rannte los. Kurz bevor das Schwert des Drachenfängers niedersausen konnte, schlug Mausami ihre Waffe dagegen und bremste so den Schwung des anderen. Bei diesem Klirren wirbelte der Drache herum, schlug dabei den Wikinger, welcher vor ihm gestanden hatte, aus dem Weg und richtete sich knurrend vor Mausami und dem Drachenfänger auf. Dieser war jedoch so wütend, weil sein Siegesschlag verhindert wurde, dass er sich auf Mausami stürzen wollte, um sich an ihr zu rächen. Bevor er dies machen konnte, schnappte ihn der Drache und schleuderte ihn in hohem Bogen davon. Mausami rappelte sich vorsichtig auf und sah sich dem Alptraum Auge in Auge gegenüber. Langsam liess sie das Schwert fallen und blickte ihn entschlossen an. Der Drache hielt den Augenkontakt für eine Weile, dann schnaubte er und verschwand mit einem starken Flügelschlag zwischen den Baumwipfeln. Mausami konnte es nicht glauben und blickte sich etwas verwirrt um. Die Wikinger lagen alle noch am Boden und jene, welche noch nicht das Bewusstsein verloren hatten, verbanden sich ihre Wunden. Die Wikingerin wusste, dass sie nicht länger bleiben konnte, denn sie würden sich bald erholen und so rannte sie los in den Wald hinein.
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=='''Gegen die Zeit'''==
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Der Wind blies stark in die Segel der Hjemøy-Schiffe und trieb sie so schnell Richtung Westen voran. Andre und Caleb hatten neuen Mut und neue Hoffnung erhalten, nachdem sie endlich einen Hinweis erhalten hatten, wo sie Mausami oder zumindest Eyk finden könnten. Sie fuhren an mehreren unbewohnten Inseln vorbei, immer mit Kurs auf den Ort, welcher ihnen von der Frau beschrieben worden war. Die Brüder standen schweigend nebeneinander am Rehling und blickten aufs weite Meer. Sie hingen beide ihren Gedanken nach, als einer der Männer an Bord plötzlich rief: "Seht! Ein Falke! Was macht solch ein Vogel auf dem offenen Meer?" Caleb drehte sich erfreut um, denn er wusste natürlich bereits um was für einen Falken es sich handelte. Er streckte seinen Arm aus und Horus landete gekonnt darauf. Andre trat erstaunt neben seinen Bruder und sprach: "Ich hätte nicht gedacht, dass er uns so schnell findet!" Caleb kraulte den Vogel am Kopf und antwortete frech: "Ich wusste von Anfang an, dass er es kann!" Andre wollte gerade auf diese Bemerkung reagieren, als er die Kette am Fuss des Vogels erkannte. Er nahm sie Horus vorsichtig ab und betrachtete sie geschockt. "Sie hat ihm ihre Kette mitgegeben. Wir müssen sie sofort finden! Vielleicht schwebt sie in Gefahr!" Caleb nickte zustimmend und auch die Wikinger, welche sich langsam um sie versammelt hatten, waren gleicher Meinung. Svenja fragte besorgt: "Aber in welche Richtung? Der Vogel ist aus Osten gekommen, aber die Frau hat uns gesagt, dass die Insel im Westen liegt" Gemurmel brach unter den Wikingern aus und auch Caleb und Andre blickten sich fragend an. Da sprach Andre zum Erstaunen seines Bruders: "Ich denke wir sollten auf Horus vertrauen. Er war offensichtlich bei Mausami und hat anschließend das Schiff gefunden. Er wird uns auch zu unserer Schwerster führen können!" So wendeten sie das Schiff, teilten den anderen Wikinger mit, welche auch auf der Suche nach Mausami waren, in welcher Richtung sie sich in etwa befinden sollte und segelten los. Dem Schiff voraus flog Horus und leitete sie immer näher zu ihrem Ziel.
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Mausami schlenderte etwas ziellos durch den Wald und versuchte sich einen Plan zurecht zu legen, wie sie am besten von dieser Insel wegkommen könnte. Sie machte sich auch langsam Gedanken darüber, wie sie die Nach verbringen sollte, denn sie glaubte nicht, dass sie noch am selben Tag von diesem Ort wegkommen würde. Obwohl sie noch nie im Freien geschlafen hatte, wusste sie doch recht viel über die Natur und wie man sich darin am besten zurechtfindet. Zum einen lernten sie die allgemeinen Grundlagen in der Schule und zusätzlich hat ihr ihre Mutter auch ihr Wissen über Kräuter, Beeren und Wurzel weitergegeben. Außerdem hatte sie ihre Brüder auch schon in den Wald begleitet und sich dabei viele Überlebenstipps angeeignet. So suchte sie sich zuerst einen sicheren Unterschlupf, welcher sie vor Kälte und vor dem Wetter über die Nacht schützen würde. Sie fand eine kleine Einbuchtung in einem Felsen, welche auch noch von ein paar nahestehenden Bäumen und Büschen geschützt war. Da man sie somit auch nicht von weitem sehen konnte, beschloss Mausami die erste Nacht dort zu verbringen. Während der Dämmerung sammelte sie noch ein paar Beeren und Wurzeln, welche sie verspeiste, bevor sie sich zum Schlafen in die Einbuchtung legte. Sie fühlte sich zwar noch immer nicht sicher, doch sie wusste, dass sie den Schlaf für den nächsten Tag brauchen würde.
 
[[Kategorie:Geschichten]]
 
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[[Kategorie:Saly Hentebag]]
 
[[Kategorie:Saly Hentebag]]

Version vom 15. Februar 2020, 18:48 Uhr

Besuch

Mausami schlenderte gerade durchs Dorf, als die anderen Bewohner plötzlich unruhig wurden und aufs Meer hinausblickten. Sie folgte ihren Blicken und entdeckte auf dem Wasser mehrere Schiffe, welche Kurs auf Hjemøy nahmen. Mausami wendete sich an den Bäcker, welcher gerade neben ihr stand: "Verzeihung. Weisst du, ob dies Händler sind?" Der Mann blickte weiterhin aufs Meer und murmelte mehr zu sich selbst: "Ich bin mir nicht sicher. Sie sehen nicht wie Kriegsschiffe aus, jedoch auch nicht, wie Handelsboote." Mausami nahm diese Information auf und wiegte ab, ob es wohl sicher ist, zum Hafen zu gehen. Diese Entscheidung wurde ihr aber etwas leichter gemacht, denn von weitem konnte sie erkennen, dass auch schon ihre Brüder auf dem Weg zum Meer waren. Somit sprang sie vom Hügel, auf welchem sie sich gerade befand und lief schnell zum Hafen. Kurz bevor sie dort ankam, holte sie ihre Brüder ein, welche nun auch noch von den Eltern begleitet wurden. Mausami lächelte und dachte sich: "Wie immer das Empfangskomitee Skyvell." Caleb merkte, wie immer als erster, dass sie sich hinter ihnen befand, denn es wirkte manchmal, wie wenn die beiden jüngsten Geschwister eine tiefere Verbindung hätten, als nur die Blutsverwandtschaft. Er lächelte sie an und flüsterte: "Auch dabei beim Empfangskomitee?" Mausami lachte über die gleichen Gedanken ihres Bruders und hakte sich bei ihm unter. Ihre restliche Familie begrüsste sie ebenfalls und so liefen sie zusammen zu den Docks.

Bereits ein paar andere Wikinger hatten sich am Hafen besammelt, jedoch war der Häuptling gerade nicht in der Nähe. Aus diesem Grund übernahm die Skyvell Familie, wie so oft, die Begrüßung der Fremden. Sie stellten sich somit aufs Dock und beobachteten die Schiffe, wie sie immer näherkamen und schlussendlich am Steg anlegten. Vom Schiff, welches als erstes angelegt hatte, stiegen drei Männer. Man konnte genau erkennen, dass der Vorderste ihr Anführer war. Er hatte schwarze Locken, einen kurzen Bart und trug eine leichte Rüstung. Sein roter Umhang wehte sanft im Wind und das Schwert auf seinem Rücken glitzerte in der Sonne. Trotz dieser Ausrüstung wirkte er jedoch nicht bedrohlich, denn er lächelte der Skyvell Familie zu und lief entspannt auf sie zu. Vor ihnen blieb er stehen und sprach freundlich: "Guten Tag zusammen! Besten Dank für diesen Empfang! Mein Name ist Eyk Framgangsrik und dies sind meine treuen Begleiter" Er zeigte auf die zwei Männer neben und die Schiffe hinter sich. Benjen nickte ihnen zu und erwiderte: "Willkommen auf Hjemøy! Ich, Benjen Skyvell, begrüsse euch zusammen mit meiner Familie stellvertretend für unseren Häuptling. Was treibt euch hierher?" Der Mann antwortete: "Wir wollen uns als Händler hocharbeiten, jedoch arbeiten wir noch nicht lange in diesem Bereich. Aus diesem Grund möchten wir zuerst neue Leute und deren Bedürfnisse kennenlernen, damit wir auch genau die richtige Ware liefern können." Benjen nickte interessiert und sprach: "Wir werden euch gerne bei uns auf der Insel wohnen lassen, bis ihr weiterzieht. Wir haben auch ein paar Restaurants und Hotels, welche deinen Leuten gefallen könnten." Eyk lächelte dankbar und nickte den zwei Männern hinter sich zu. Diese liefen los, riefen etwas zu den Männern auf den Schiffen und schon begannen diese die Schiffe richtig zu vertäuen, um anschließend die Insel zu erkunden. Die Skyvell Familie ging währenddessen zusammen mit Eyk ins Dorf und führten ihn umher.

"Und das hier ist die Handelsstraße. Hier findest du alle Arten von Geschäften und Ware. Vielleicht wird es dir helfen, wenn du die Händler etwas befragst", erklärte Benjen, während er und seine Familie Eyk begleiteten. Dieser nickte interessiert und blickte die Familie dankbar an. "Ich denke, dass ich dies später einmal machen werde. Danke für den Hinweis. Gerne würde ich jedoch zuerst noch den Rest des Dorfes und der Insel sehen", antwortete Eyk. "Sehr gerne!", meinte Osha und führte ihn weiter ins Dorf. Die Eltern liefen jeweils je auf einer Seite von Eyk, dahinter kamen Andre und Nedd, welche über diverse aktuelle Themen des Dorfes sprachen und zuhinterst liefen die Jüngsten der Familie. Caleb blickte gelangweilt auf den Boden und hoffte, dass der Rundgang bald vorbei war. Mausami, welche wie immer merkte, was in seinem Kopf vorging, flüsterte: "Ich denke kaum, dass jemand merkt, wenn du plötzlich nicht mehr mit uns unterwegs bist." Sie lächelte ihn vielsagend an. Caleb erwiderte das Lächeln, umarmte sie dankbar und war schon bald zwischen den Häusern verschwunden. Mausami holte ihre anderen Brüder ein und lief unauffällig auf ihrer Höhe weiter und lauschte deren Gespräch. Währenddessen erklärten Benjen und Osha weiterhin die verschiedenen Gebäude und Plätze, an denen sie vorbeikamen und stellten Eyk auch wichtige Personen des Dorfes vor. Nach einer Weile mussten Benjen und Nedd die Gruppe verlassen, da sie eine wichtige Besprechung mit anderen hohen Personen des Dorfes hatten. Etwas später entschuldigte sich auch Osha, da sie sich schon mit ein paar Freundinnen zum Tee verabredet hatte. So führten Andre und Mausami ihn weiter durchs Dorf. "Hier auf diesem Platz trifft sich das Dorf immer, wenn etwas Wichtiges besprochen werden muss", erklärte Mausami gerade, als eine Frau auf die Gruppe zukam. "Verzeigung, dass ich euch unterbrechen muss, ich benötige jedoch deine Hilfe Andre", sprach die Frau und blickte sie entschuldigend an. Andre blickte Eyk an und fragte: "Dies ist doch kein Problem für dich, oder?" Eyk lächelte freundlich und meinte: "Natürlich nicht! Geh nur!" Andre nickte seiner Schwester und dem Besucher zu und folgte der Frau dann. Eyk blickte Mausami an. Sie lächelt etwas verlegen, da sie nicht genau wusste, was sie mit diesem Fremden machen sollte, jedoch meldete sich schnell ihre Freundlichkeit und so sagte sie: "Falls es dir nichts ausmacht, kann ich gerne den Rundgang mit dir noch beenden." Eyk lächelte sie an und antwortete: "Ich würde sehr gerne den Rundgang mit dir beenden. Nicht jeden Tag wird man von einer solchen Schönheit durch ein fremdes Dorf geführt!" Mausami blickte verlegen auf den Boden, riss sich dann aber zusammen und begleitete Eyk weiter durchs Dorf. "Hier ist der Teil des Dorfes, wo die meisten Personen wohnen und dieses grosse Haus dort hinten ist unseres", erklärte Mausami und lief mit Eyk auf den grossen Garten vor ihrem Haus zu. "Beeindruckend! Und was befindet sich in diesem Stall?", fragte Eyk interessiert. "Das ist das Zuhause von Mina", beantwortete Mausami seine Frage. "Mina?", fragte er nach und blickte erstaunt zum Stall. Mausami lächelte und meinte: "Komm, du kannst sie gleich kennenlernen!"

Nach dem hellen Licht draußen konnten Eyk und Mausami zuerst nicht viel im Stall erkennen. Ihre Augen gewöhnten sich jedoch schnell ans Halbdunkle und so konnten sie im hinteren Teil des Gebäudes einen grossen Körper am Boden erkennen. Mausami ging darauf zu und sprach: "Hallo Mina. Wir haben Besuch." Langsam regte sich die Gestallt am Boden und erst da konnte Eyk erkennen, dass es ein Drache ist. Der Tödliche Nadder richtete sich auf, schüttelte sich kurz und schnupperte dann an Mausamis Hand. Diese lächelte den Drachen an und drehte sich dann zu Eyk um. Der Wikinger konnte seinen Augen nicht glauben, wie diese zierliche Frau neben diesem Drachen stand, welcher ihn misstrauisch musterte. Mina ging etwas näher zu diesem Fremden und schnupperte in der Luft. Dann begann sie plötzlich zu knurren und richtete sich bedrohlich vor Eyk auf. "Mina, was soll das? Er ist ein freundlicher Mann, denn knurrt man nicht einfach an!", schellte Mausami den Drachen und stellte sich vor ihn. Eyk seufzte leise und meinte: "Sie wird wohl merken, dass ich nicht immer der freundliche Mann war, welcher ich jetzt bin. Vor allem nicht im Zusammenhang mit Drachen." Mausami drehte sich zu ihm um und blickte ihn fragend an. Dieses Thema schien dem Wikinger unangenehm zu sein, doch dann sprach er: "Wie ich ja bereits erzählt habe, wollen meine Männer und ich Händler werden. Dies ist so, da wir unsere dunkle Vergangenheit hinter uns lassen wollen." Über das Gesicht der jungen Frau huschte einen kleinen Schimmer von Furcht, doch sie hatte sich schnell unter Kontrolle und fragte nur: "Dunkle Vergangenheit?" Eyk holte tief Luft und gab dann zu: "Dies wird dir nicht gefallen, aber es ist nun mal die Wahrheit. Früher waren wir Drachenjäger und wir organisierten die grössten Drachenkämpfen dieses Ozeanes." Mausami zog geschockt die Luft ein, liess ihn aber weitererzählen. "Letztes Jahr, als wir wieder einmal die Drachenkämpfe auf unserer Insel organisiert haben, passierte etwas, was ich mir bis heute nicht erklären kann. In der Nach vor den ersten Kämpfen sind plötzlich alle gefangenen Drachen verschwunden. Die Käfigtüren waren nicht einmal beschädigt worden und zwei der Wachen hatten nichts mitbekommen und der Dritte hatten wir Ohnmächtig vor der Arena gefunden, jedoch konnte er sich nicht daran erinnern, wieso er zusammengebrochen war. Die Drachen waren alle weg und unsere Schiffe fanden wir am nächsten Morgen versenkt und nicht mehr zu reparieren. Dies hat uns die Augen geöffnet. Das musste ein Zeichen der Götter sein, dass sie unser Werk missbilligen und wir damit aufhören sollen. So entschlossen wir uns neu einfache Händler zu werden und so anderen Menschen zu helfen", endete Eyk seine Erzählung. Mausami konnte es noch nicht ganz fassen, was sie gerade erfahren hatte. Gleichzeitig war sie aber auch sehr froh, dass sich die Absichten von Eyk und seinen Männern geändert hatten. "Es freut mich, dass ihr euch dazu entschlossen habt, die Drachen in Frieden zu lassen und dafür Menschen zu helfen. Das ist wirklich etwas sehr Erfreuliches!", sprach sie und lächelte Eyk an. Dieser schien erleichtert zu sein, dass sie ihm verzeihen konnte und nicht nachtragend war. Auch Mina schien gemerkt zu haben, dass von ihm doch keine Gefahr ausgeht und so schnupperte sie nur vorsichtig an seiner Hand. Eyk streckte ihr diese zögerlich entgegen. "Sie liebt es am Kinn gekrault zu werden", bemerkte Mausami und so setzte er dies auch um. Die junge Frau beobachtete das ganze erfreut und als sich Mina dann dazu entschloss einen Rundflug zu machen, verließ sie zusammen mit Eyk den Stall.

Interesse

Am Abend lud die Skyvell Familie Eyk und seine wichtigsten Männer zum Abendessen ein. Eyk nahm dieses Angebot dankend an und so aßen die zehn Wikinger fröhlich im grossen Wohnzimmer des Skyvell Hauses und redeten über alles Mögliche. Benjen und Ned erzählten über die wichtigsten Beschlüsse und Aufgaben im Dorf, Mausami und Osha erklärten ihnen welche Restaurants und Bars am besten sind und Eyk und seine Männer erzählten von ihren Reisen. Nach einer Weile kamen sie auf das Thema Drache und somit auch auf die Vergangenheit von den Drachenfängern zu sprechen. Andre blickte die Wikinger sofort abschätzig an, als er erfuhr, dass diese Drachen gefangen und Drachenkämpfe organisiert hatten. Eyk beteuerte jedoch, dass sie nichts mehr mit dem am Hut haben wollen und erkundete sich interessiert über die freilebenden Drachen auf der Insel. Langsam erfreute sich Andre am Wissensdurst des Wikingers und begann ihm über die verschiedenen Drachen zu erzählen. Eyk hörte ihm aufmerksam zu und stellte immer wieder tiefgründige Fragen. Mit der Zeit merkte die Skyvell Familie immer mehr, wie es Eyk nicht mehr um die Drachen als Gut, sondern als Lebewesen ging. Es wirkte schon fast, wie wenn er sie gerne studieren möchte.

Erst spät in der Nacht verabschiedeten sich Eyk und seine Männer von den Skyvells und machten sich auf den Weg zu ihrem Hotel, wo sie die Nacht verbringen würden. Es war ein sehr fröhlicher Abend gewesen und sie hatten sich alle sehr gut verstanden. Am nächsten Morgen gingen die Wikinger ihren normalen Geschäften nach und achteten sich nicht besonders auf den Besuch auf der Insel. Diese waren zum Teil im Dorf unterwegs, befragten verschiedene Händler und Kunden und andere streiften durch den Wald und die restlichen Teile der Insel. Caleb sass etwas genervt im Garten der Skyvells und warf ein paar Messer. Mausami, welche dies beobachtet hatte, setzte sich neben ihn und fragte: "Was ist los? Warum bist du nicht im Dorf oder im Wald unterwegs?" Ihr Bruder blickte sie an und meinte: "Die Fremden sind überall! Nirgends habe ich meine Ruhe und ich traue ihnen nicht über den Weg. Sie führen irgendetwas im Schilde!" Mausami blickte ihn sanft lächelnd an und sprach: "Sie haben uns ja erzählt, dass sie erfahren wollen, welche Handelswaren im Moment beliebt sind. Deshalb fragen sie alle aus und beobachten das Leben bei uns im Dorf genau." Caleb zog eine Augenbraue nach oben und fragte: "Denkst du dies wirklich? Ich nämlich nicht. Sie verhalten sich nicht, wie wenn dies ihr einziges Ziel wäre. Sie schleichen überall herum und untersuchen alles. Ich denke nicht, dass sie im Wald Antworten darauf finden, was die Wikinger für Handelsware benötigen!" Mausami schüttelte leicht den Kopf und sagte: "Ach, jetzt sei doch nicht immer so misstrauisch gegenüber Fremden! Sie wollen bestimmt nichts Böses!" Caleb seufzte und lächelte sie an: "Ich wünschte, dass ich auch so zuversichtlich sein könnte wie du!" Mausami legte ihm ihre Hand auf die Schulter und so sassen sie noch eine Weile schweigend nebeneinander, jeder seinen eigenen Gedanken nachgehend.

Währenddessen lief Eyk zusammen mit ein paar seiner Männer durch den Wald. Sie blickten sich um und schienen nach etwas Ausschau zu halten. Nach einer Weile trafen sie auf eine Lichtung, auf welcher sich gerade zwei Gronckel ausruhten. Einer der Wikinger zog sofort seinen Bogen und spannte ihn. Eyk legte jedoch seine Hand auf dessen Arm und hinderte ihn daran, den Drachen zu töten. "Nein, das gehört unserer Vergangenheit an! Lass mich etwas versuchen!", sprach der Anführer und trat langsam auf die Lichtung heraus. Die Drachen sprangen sofort erschrocken auf, betrachteten ihn dann aber interessiert. Eyk lief langsam auf sie zu und streckte seine Hand aus. Die Gronckel gingen schnüffelnd auf ihn zu und der eine begann seine Hand abzulecken. Der Wikinger begann zu lächeln und drehte sich zu seinen Männern um, welche sich nun auch langsam auf die Lichtung zu bewegten. Diese wirkten noch eher misstrauisch, doch Eyk sprach verschwörerisch: "Das ist unsere Zukunft!"

Auch in den nächsten Tagen veränderte sich das Verhalten der Besucher nicht. Sie befragten weiterhin die Bewohner und erkundeten die Insel. Mausami fand dies, anders als ihr Bruder, faszinierend. Sie beobachtete gerne, wie die Wikinger die Dorfbewohner mit Fragen löcherten und wie diese ihnen offen Auskunft gaben. In diesem Moment lauschte sie einem Gespräch zwischen Eyk und dem Bäcker. "Danke, ja, das ist ein sehr guter Hinweis!", sprach Eyk gerade und stellte bereits die nächste Frage: "Könnt ihr genug Mehl und sonstige Zutaten hier auf der Insel produzieren, um all euer Gebäck zubereiten zu können?" Der Bäcker legte den Kopf schief und meinte: "Wir können genug ernten, um die häufigsten Zutaten, wie Mehl oder Dinkel herzustellen. Für gewisse seltener gebrauchte Zutaten sind wir jedoch immer auf die Händler angewiesen, welche uns auch einen sehr hohen Preis verlangen." - "Das ist natürlich ein Problem, welches es zu bekämpfen gibt. Ich werde dafür sorgen, dass ihr die Zutaten zu einem angemessenen Preis erhalten werdet!" Mausami schlenderte während sie dem Gespräch lauschte an den beiden Wikingern vorbei und betrachtete die Auslage des Gemüsehändlers. "Das ist wundervoll! Ich kann es kaum erwarten, mit euch Geschäfte zu machen!", dankte der Bäcker und begann eine neue Kundin zu bedienen. Mausami nahm einen Apfel in die Hand und traute sich nicht, nachzuschauen, ob Eyk immer noch hinter ihr war, denn sie wollte nicht entdeckt werden. Plötzlich trat Eyk neben sie und nahm ihr den Apfel sanft aus der Hand. "Guten Tag, Mausami! Ich dachte mir doch, dass ich diese schöne Frau schon einmal gesehen habe. Was verschlägt dich hier hin?", sprach er sie freundlich an und legte den Apfel zurück an seinen Platz. Mausami merkte, wie sich ihre Wangen rötete, denn ihr war klar, dass Eyk ihre kleine Lauschaktion durchschaut hatte. Sie war ihm jedoch sehr dankbar, dass er sich dies nicht anmerken liess und sie somit nicht bloßstellte. "Ach, ich schlendere gerne durch die Handelsstraße und betrachte die Auslagen der verschiedenen Geschäfte", schwindelte sie und fühlte sich schlecht, dass sie ihm nicht die Wahrheit sagte. Eyk schien es ihr jedoch nicht übel zu nehmen und wechselte gekonnt das Thema: "Dürfte ich dich einladen in eines der schönen Restaurants hier im Dorf? Ich würde gerne noch mehr über das Dorfleben hier erfahren." Mausami lächelte ihn an und antwortete: "Sehr gerne! Wo möchtest du gerne hin?" Eyk bot ihr seinen Arm an und sprach: "Das kannst gerne du auswählen. Du kennst dich hier besser aus als ich!" Mausami hakte sich bei ihm unter und beschloss: "Gut, dann gehen wir in die goldene Möwe, dass ist wirklich ein ausgezeichnetes Lokal!" Der Wikinger nickte und liess sich von ihr führen.
Schon bald erreichten sie die goldene Möwe. Es war ein kleines Restaurant, welches sich direkt über dem Hafen befand. Von dort aus hatte man einen schönen Ausblick über das Meer und konnte gleichzeitig das Treiben auf und neben den Schiffen beobachten. Nachdem Eyk und Mausami sich an einen Tisch auf der Terrasse gesetzt hatten, sprach der Wikinger: "Das ist wirklich ein ausgezeichnetes Lokal! Es ist wunderschön!" Mausami lächelte und erzählte: "Es ist eines der ältesten Restaurants hier im Dorf. Früher war es eine einfache Fischerhütte, welche jedoch immer weiter ausgebaut wurde und schlussendlich seine alte Funktion verloren hat. Nun befindet es sich bereits seit mehreren hundert Jahren im Besitzt derselben Familie und die Küche ist ausgezeichnet!" Eyk lauschte ihren Worten beeindruckt und sagte: "Du kennst dich wirklich gut aus hier! Wieso weisst du dies alles?" - "Ich interessiere mich einfach für die Geschichte des Dorfes und der Inseln um uns herum. Allgemein lese ich sehr gerne und kann mir die Informationen auch gut merken", antwortete die junge Frau. Eyk lächelte sie an und sprach: "Das ist wirklich bewundernswert! Du bist sehr intelligent!" Mausami blickte geschmeichelt vor sich auf den Tisch. Bevor sie jedoch etwas antworten konnte, trat eine Kellnerin an den Tisch und fragte: "Was darf ich euch bringen?" Sie bestellten beide ein Getränk und redeten dann weiter über das Dorf. Bald schon weitete sich das Gespräch aber aus und so redeten sie über die verschiedensten Themen. Sie verstanden sich sehr gut und Mausami war erstaunt über die noble und höfliche Art von Eyk. Die meisten Jäger oder Krieger und zum Teil sogar Händler, welche sie bis jetzt kennen gelernt hatte, hatten eine viel rauere Umgangsform und hatten sie nie so gut behandelt. Als bereits ein paar Stunden vergangen waren, betrat einer von Eyks Männer das Restaurant und kam direkt auf sie zu. "Eyk, ich habe dich über all gesucht. Die Männer sind bereit für die Besprechung. Kommst du?", sprach der Wikinger direkt an seinen Anführer gewandt und schien Mausami gar nicht wahr zu nehmen. Über Eyks Gesicht wanderte ganz kurz ein wütender Ausdruck, welcher jedoch im selben Moment wieder verschwunden war und er sprach: "Ja, ich komme gleich." Der Mann nickte, drehte sich um und verließ das Restaurant wieder. Eyk wendete sich an Mausami und sprach: "Verzeih seine Unfreundlichkeit. Doch ich muss nun gehen, wir haben eine wichtige Besprechung. Ich danke für das wundervolle Gespräch!" Mausami nickte ihm verständnisvoll zu und sagte: "Diesen Dank kann ich nur erwidern! Geh nur, ich möchte dich nicht von deinen Pflichten abhalten." Eyk stand auf, blickte sie noch ein letztes Mal an und verließ dann das Restaurant. Mausami blieb noch eine Weile sitzen und beobachtete das Geschehen des Dorfes unter sich.

nächtliche Aktion

Nachdem Mausami das Restaurant verlassen hatte, war sie wieder nach Hause gegangen, aß mit ihrer Familie zu Abend und ging dann in ihr Zimmer. Sie lag in ihrem Bett, blickte an die Decke und konnte nicht einschlafen. Sie hätte nicht begründen können wieso, doch irgendetwas musste sie beschäftigen. Sie blickte aus dem Fenster in die Dunkelheit und beobachtete die Sterne und den Mond. Als sie auch nach gefühlt mehreren Stunden noch wach war, stand sie wieder auf, zog sich leise an und schlich aus dem Haus. Sie spazierte durch den Garten und beschloss dann zu Mina in den Stall zu gehen. Als sie das Gebäude betrat konnte sie nichts erkennen, es war stockfinster. Sie blickte die Fackel neben dem Eingang an, beschloss dann jedoch sich im Dunkeln zu bewegen. Sie hatte sowieso gute Augen in der Nacht und sie wusste, dass sie sich bald an die Dunkelheit gewöhnen würde. Langsam ging sie auf die hinterste Kabine zu und blickte hinein. Sie war leer. Zur Sicherheit flüsterte Mausami leise den Namen des Drachens, welcher sonst dort jede Nacht verbrachte, doch es blieb ruhig. Die Wikingerin beschloss, nach Mina zu suchen, da es sehr ungewöhnlich war, dass diese nicht im Stall war. So machte sich Mausami auf und wanderte durch das menschenleere Dorf. Alles war ruhig und sie sah niemanden auf den Strassen. Nach einer Weile wollte Mausami sich gerade umdrehen und wieder zurückgehen, als sie leise Stimmen hörte. Sie blieb stehen und lauschte angestrengt. Möglichst lautlos ging sie auf die Geräusche zu. Sie schlich um die Häuser und dann sah sie es. Am Hafen herrschte reges Treiben. Männer liefen umher, trugen Kisten auf die Schiffe und machten dabei fast keine Geräusche. Mausami wollte schon zu einem dieser Wikinger gehen und fragen, was sie zu so später Stunde machten, doch dann erkannte sie, dass es sich nur um Männer von Eyk und somit niemanden, den sie kennt, handelt. Da wurde sie misstrauisch und die Stimme ihres Bruders hallte in ihrem Kopf wieder: "...ich traue ihnen nicht über den Weg. Sie führen irgendetwas im Schilde!" Nun war sich Mausami unschlüssig, was sie tun sollte. Sie wollte wissen, was diese Männer vor hatten, doch gleichzeitig wollte sie sich nicht in Gefahr bringen. Am Schluss siegte jedoch die Neugier. Lautlos schlich sie sich im Schatten der Häuser näher ran und wartete den perfekten Moment ab, um auf eines der Schiffe zu gelangen.

Als gerade keiner der Männer in der Nähe der Schiffe war und somit auch niemand Mausami entdecken konnte, schlich sie sich leise über das Dock und betrat das erste Schiff. Es war ziemlich groß und war anders gebaut, als jedes Schiff, welches sie vorher jemals gesehen hatte. Überall auf dem Deck stapelten sich grosse Kisten und Bündel. Da sie zwischen diesen nichts Verdächtiges entdeckte, beschloss sie in den unteren Teil des Schiffes zu gehen. Leise schlich sie die Treppe hinunter und blieb wie erstarrt stehen. An jeder Seite des Ganges waren grosse Käfige, in welchen verschiedene Drachen gefangen waren. Geschockt lief die Frau langsam an den Käfigen entlang, bis sie am Ende des Ganges angelangt war. Mausamis Augen weiteten und sie ging auf den hintersten Käfig zu. "Mina!", flüsterte sie. Langsam erinnerte sie sich an das Gespräch mit Eyk im Stall von Mina. Das Fangen von Drachen ist nicht ihre Vergangenheit, es ist noch immer ihr Geschäft, realisierte Mausami. Sie wollte sich gerade umdrehen, um im Dorf Hilfe zu holen, als sie eine schwere Hand auf der Schulter spürte. Langsam schaute sie nach hinten und blickte in ein finsteres Gesicht von einem der fremden Männer. Dieser packte sie an beiden Schultern, hob sie hoch, drehte sie um und hielt ihre Hände am Rücken zusammen. Erschrocken blickte sie Eyk an, welcher direkt vor ihr stand. Dieser schüttelte nur den Kopf. "Ich dachte, dass eine schlaue Frau, wie du, nicht so unüberlegt handelt. Du hättest lieber gehen sollen, als es dir noch möglich war", sprach er ruhig. "Das könnt ihr nicht machen! Das sind freie Wesen!", sagte Mausami aufgebracht. Eyk lächelte bösartig und erwiderte: "Wie du siehst, sind sie nicht mehr frei." Wütend schnaubte die Frau und knurrte: "Damit wirst du nicht durchkommen! Ich werde es meiner Familie erzählen und die werden zusammen mit dem Dorf alle Drachen befreien und dich und deine Männer gefangen nehmen!" Eyk schlenderte auf sie zu und packte sie am Kinn: "Nur schade, dass du nichts erzählen wirst!" Mausami blickte ihn verwirrt an, doch dann stahl sich Erkenntnis auf ihr Gesicht. "Nein!", flüsterte sie, doch da hatte Eyk seinem Gefolgsmann bereits zugenickt und dieser zerrte sie mit sich davon. Sie wollte schreien, doch er band ihr mit einem stinkenden Tuch den Mund zu. Sie begann sich zu wehren und versuchte sich aus dem festen Griff des Mannes zu befreien, doch sie hatte keine Chance. Er schleppte sie in die hinterste Ecke des Schiffes und band sie dort mit den Händen hinter dem Rücken fest. Auch als der Wikinger bereits nicht mehr bei ihr war, versuchte sie sich noch zu befreien. Doch plötzlich gab es einen Rück und das Schiff schwankte auf den Wellen. Sie waren abgefahren. Erschöpft und traurig sank Mausami auf den Boden.

Mausami döste unruhig auf dem harten Boden des Schiffes. Sie hatte ein ekliges Gefühl im Mund, denn der Lappen schmeckte scheußlich und ihre Zunge schien von dem Druck langsam einzuschlafen. Plötzlich fühlte sie, wie sich ihre Fesseln lösten und sie blickte erstaunt auf. Gerade war einer von Eyks Männern dabei ihre Hände zu befreien und sie unsanft auf die Füsse zu ziehen. Wütend riss sich die Frau den Lumpen aus dem Mund und fauchte: "Was fällt euch Barbaren ein, mich einfach so gefangen zu nehmen! Meine Familie wird euch jagen und euch zur Rechenschaft ziehen! Das wird harte Folgen für euch haben!" Sie wollte gerade weiter zetern, da hielt der Mann ihr sein Messer an die Kehle und knurrte: "Wenn auch nur noch ein kleines Wörtchen deine Lippen verlässt, wird deine Familie nur noch eine Leiche retten können!" Sofort verstummte Mausami, funkelte ihn jedoch weiterhin böse an. Der Wikinger packte sie am Arm und zog sie hinter sich her. Erneut kamen sie an den Käfigen mit den Drachen vorbei und Mausami blickte zu den traurig wirkenden Wesen. Es tat ihr weh, diese freien Geschöpfe so eingesperrt zu sehen. Schon bald hatten sie das Deck erreicht und Mausami blickte sich um. Rund um das Schiff hatte es nichts als Wasser. Nicht einmal einen kleinsten Flecken Land konnte die Frau entdecken. Doch sie hatte auch keine Zeit, um weiter nach vertrauten Dörfern oder Inseln Ausschau zu halten, da sie in diesem Moment vor Eyk geführt wurde. Er trug einen weiten Hut, welche seine Augen vor der Sonne schützen und sie gleichzeitig vor Mausami versteckt hielt. Ihr war unwohl, da sie seine Mimik somit nicht so leicht lesen konnte und weil um ihn herum mehrere gefährlich grinsende Männer standen. "Willkommen auf meinem Schiff! Ich hoffe, du hast die bisherige Reise genossen!", sprach Eyk freundlich, doch ein böses Grinsen spielte um seine Lippen. Mausami blickte ihn mit erhobenem Haupt an, um nicht eingeschüchtert zu wirken. "Ich habe schon Besseres erlebt", antwortete sie kühl. "Nun, da du jetzt so zu sagen ein Teil des Schiffs-Crew bist, wollen wir natürlich nicht, dass du von unserem Alltag ausgeschlossen wirst!", sprach der Wikinger, ihre Aussage ignorierend. Die Männer um ihn herum lachten leise und Mausami bekam ein ungutes Gefühl. Sie sagte jedoch nichts, verschränkte ihre Arme und blickte Eyk nur weiterhin an. "Du wirst zuerst gleich mit dem Schruppen des Decks beginnen!", befahl Eyk und einer der Wikinger stellte lachend einen Wassereimer und einen Schwamm vor sie. Die Frau schnaubte empört und sprach: "Ich werde sicherlich nicht euren Dreck wegwaschen!" Eyk schüttelte langsam den Kopf und flüsterte schon fast: "Bist du da sicher?" Doch bevor sie auch nur etwas antworten konnte, nickte er einem kräftigen Wikinger zu, welcher sie am Kragen packte und über die Reling baumeln liess. Mausami schrie erschrocken auf und klammerte sich an die Arme des Wikingers. Eyk schlenderte gemütlich zu ihm und lehnte sich an eines der gespannten Seile. "Und wäscht du noch immer nicht das Deck?" Die Wikingerin blickte zuerst ängstlich unter sich ins Wasser und dann wieder wütend zu Eyk. Sie wusste, dass sie nichts anderes machen konnte, als sich ihm zu beugen, denn als Fischfutter wollte sie auch nicht enden. So funkelte sie ihn noch ein letztes Mal böse an und nickte nur. Eky lächelte frech und sagte: "Schön, dass wir uns doch noch einigen konnten!" Dann ging er davon und gab seinen Männern ein paar Befehle. Der Wikinger, welcher noch immer Mausami über die Reling hielt, liess sie hart aufs Deck fallen und ging dann davon.

Die Suche beginnt

Am gleichen Tag, ein paar Stunden früher erwachte Caleb, zog sich an und machte sich auf den Weg zum Wohnzimmer des Hauses. Kurz bevor er dieses erreichte wurde er von Andre aufgehalten, welcher sich ihm in den Weg stellte und fragte: "Hast du Mina gesehen?" Caleb grinst ihn frech an und meint sarkastisch: "Danke, dir auch einen guten Morgen, Bruderherz!" Andre verdreht die Augen und blickt ihn dann fragend an. "Nein, ich habe mein Zimmer erst gerade verlassen. Zufälligerweise hat sie sich nicht unter meinem Bett befunden!", antwortete Caleb genervt. "Am Morgen bist du wirklich nicht auszuhalten!", sagte Andre, jedoch mit einem versöhnlichen Grinsen. Sein Bruder grinste ihn ebenfalls an und machte sich dann wieder auf den Weg zum Wohnzimmer, um etwas zu essen. Kurz vor der Tür drehte er sich um und meinte: "Frag doch mal Maus, ich hab sie gehört, als sie in der Nacht mal wieder nach draußen ging." Dann drehte er sich wieder um und verschwand im Wohnzimmer. Andre schüttelt noch immer grinsend den Kopf, als er an die Tür von Mausami klopfte. Doch niemand antwortete. Andre klopfte erneut und fragte: "Maus, bist du da?" Als noch immer keine Antwort kam, öffnete er langsam die Türe und trat ins Zimmer. Es war leer. Das Bett sah aus, wie wenn niemand darin geschlafen hätte. Langsam beschlich Andre ein ungutes Gefühl. Er lief ins Wohnzimmer, wo sich der Rest seiner Familie befand, außer Mausami. Er blickte die anderen an und diese mussten wohl schon in seinem Blick erkannt haben, dass etwas nicht stimmte, denn Eddard erhob sich besorgt und Osha fragte: "Was ist los?" Andre wusste die Antwort bereits, doch trotzdem fragte er: "Weiß jemand, wo Mausami ist?" Die Familienmitglieder schüttelten alle den Kopf und blickten sich besorgt an. Sie wussten zwar alle, das Mausami in der Dunkelheit gerne das Haus verließ, jedoch blieb sie nie lange weg und verbrachte die Nacht immer Zuhause. "Wir müssen sie suchen!", sprach Caleb und stand auf.

Die Skyvells verliessen zusammen das Haus und beschlossen sich aufzuteilen, um Mausami schnellst möglich zu finden. Sie wollten gerade in verschiedene Richtungen davongehen, als einer der Dorfbewohner auf sie zugelaufen kam und mit den Armen fuchtelte. "Benjen, ich muss unbedingt mit dir sprechen. Irgendetwas stimmt hier überhaupt nicht!", sprach der Mann schon bevor er ganz vor ihnen angekommen war. Die ganze Familie blieb stehen, um zu hören war los war. "Was ist passiert?", fragt Benjen und blickt den Wikinger betroffen an. Der Mann musste zuerst kurz zu Atem kommen und erzählte dann: "Eyk und seine Männer sind mit all ihren Schiffen in der Nacht abgereist, ohne irgendjemandem etwas zu sagen. Zudem sind mehrere Drachen verschwunden. Dem Fischer seiner ist nicht auf seinem Schlafplatz, die Schrecken, welche die alte Wikingerin immer besuchen sind nicht gekommen und auch die fliegenden Nadder am Morgen konnten nicht beobachtet werden. Wir befürchten Schlimmes!" Benjen und Osha, sowie die drei Brüder blickten sich besorgt an. "Wir müssen an den Hafen und schauen, ob wir dort irgendwelche Hinweise finden können!", beschloss Benjen und wollte bereits loslaufen, als Andre ihn aufhielt. "Vater, Caleb und ich gehen in den Wald und schauen, ob wir irgendwelche Drachen finden können. So wissen wir auch sicher, ob sich unser Verdacht bestätigt." Benjen nickte ihnen zustimmend zu, drehte sich wieder um und folgte dem Wikinger zusammen mit Osha und Eddard. Andre und Caleb blickten sich an und gingen dann schnellen Schrittes auf den Wald zu. Langsam wuchs die Angst, welche sie alle ergriffen hatte. Wo war Mausami? War sie in Gefahr? Würden sie ihre Schwester rechtzeitig finden?

Andre und Caleb streiften durch den Wald und suchten nach irgendeinem Anzeichen, dass die Drachen und Mausami noch auf der Insel waren. Doch sie entdeckten nichts und auch der jüngere der beiden Brüder, welcher immer mal wieder auf einen Baum kletterte, konnte nichts entdecken. "Siehst du etwas?", fragte Andre. Caleb sprang vom Ast und schüttelte nur den Kopf. "Nicht nur die Drachen scheinen verschwunden zu sein, auch alle anderen Tiere haben sich verkrochen. Man hört kein Geräusch! Das ist wirklich unheimlich!", bemerkte Caleb und blickte sich besorgt um. Andre nickte zustimmend und meinte: "Ich denke, wir können hier im Wald nichts mehr bewirken, lass uns zurückkehren!" Sein Bruder stimmte ihm zu und so liefen sie zurück zu ihrem Haus. "Was wenn wir irgendeinen Hinweis im Haus oder im Stall finden können?", fragte Caleb. "Ein Versuch ist es wert", meinte Andre und machte sich auf den Weg zu Stall. Caleb hingegen drehte sich um und betrat das Haus. Er blickte sich in den Gängen um und beschloss dann, dass die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden, in Mausamis Zimmer am höchsten sein würde. So betrat er den Raum und blickte sich um. Die Bettdecke war zwar etwas zerknüllt, doch konnte man erkennen, dass dort niemand die ganze Nacht darin verbracht hatte. Mausami musste also mitten in der Nacht verschwunden sein. Caleb erinnerte sich daran zurück, dass er sie gehört hatte, als sie das Haus verlassen hatte, doch ob sie zurückgekommen war oder nicht konnte er nicht sagen. Er liess seinen Blick weiter durchs Zimmer schweifen und bemerkte nichts Auffälliges. Das Zimmer war ordentlich, wie immer. Es konnte also nicht sein, dass sie jemand aus ihrem Zimmer entführt hatte. Caleb wollte das Zimmer gerade wieder verlassen, als ihn zwei aufmerksame Augen anstarrten. "Horus!", rief Caleb entzückt. Er streckte seinen Arm aus, damit der Falke darauf landen konnte. Der Wikinger begann den Vogel unter dem Schnabel zu kraulen und freute sich, den Falken seiner Schwester wieder einmal zu sehen. Er ging immer noch mit dem Falken auf dem Arm in die Vorratskammer und gab ihm ein paar Fleischstücke, welche dieser auch gleich verschlang. Caleb betrachtete den Vogel und da kam ihm eine Idee. Er lief mit dem Falken in den Stall zu Andre. Sein Bruder kniete gerade im hintersten Teil des Stalls, wo sich normalerweise Mina befand. Als Andre hörte, wie Caleb den Stall betrat, sprach er: "Sie haben Mina definitiv entführt! Hier hat es Spuren, wie sie in den Gang hinaus geschleift wurde und ab da muss sie getragen worden sein! Ach, meine arme Freundin! Bestimmt wurde sie zuerst betäubt, denn sonst hätte sie sich gewehrt und wir hätten es mitbekommen!" In diesem Moment krächzte der Falke und Andre drehte sich um. Caleb lächelte ihn nur an und hielt Horus in die Höhe. "Was willst du mir damit sagen?", fragte sein Bruder verwirrt. Caleb blickte ihn vorwurfsvoll an und antwortete: "Verstehst du denn nicht? Er kann Mausami aufspüren! Sie ist, wie seine Mutter. Er wird sie finden und uns zu ihr leiten!" Andre schüttelte den Kopf und blickte ihn ungläubig an: "Das glaubst du doch nicht wirklich! Das ist nur ein einfaches Tier!" Caleb zog wütend die Luft ein: "Das könnte ich genauso über Mina sagen!" Andre starrte ihn wütend an. "Du kannst es ja versuchen, aber ich versichere dir, das wird nicht klappen!", knurrte er und verließ den Stall. Caleb blickte ihm genervt hinterher, kraulte Horus unter dem Schnabel und sagte zu ihm: "Dem werden wir es zeigen!" Dann verließ auch er den Stall.

Gefangen

Die Reise als Gefangene auf dem Schiff von Eyk war nicht leicht für Mausami. Sie versuchte zwar immer ihren Stolz zu wahren und den fremden Männern nicht anmerken zu lassen, dass sie Angst hatte, doch tief in ihrem Innern konnte sie ihre Gefühle nicht ignorieren. Sie hoffte so sehr, dass sie bald gerettet wurde, doch wann auch immer sie sich unauffällig umblickte und den Horizont nach bekannten Schiffen absuchte, wurde sie enttäuscht. So musste sie sich den Befehlen von Eyk beugen und das Schiff schrubben, in der Küche helfen oder die Schlafplätze der Wikinger aufräumen. Sie versuchte möglichst wenig aufzufallen, da sie schnell gemerkt hatte, dass sie es am besten hatte, wenn die Männer sie einfach ignorierten. Nur Eyk schaute öfters nach, was sie machte und fragte, wie es ihr ging. In einer anderen Situation hätte man sagen können, dass er ein sehr netter Gastgeber war, welcher sich gut um Mausami kümmerte, doch diese hatte erfahren, wie er hinter dieser Fassade wirklich ist. Da sie jedoch nicht provozieren wollte, dass er sie plötzlich schlechter behandelt, spielte sie in seinem kleinen Spiel mit und so entstanden häufig angeregte Gespräche zwischen ihnen. Die junge Frau hatte ihn auch schon um einige Gefallen bitten können, so musste sie nicht mehr im Rumpf des Schiffes schlafen, sondern hatte eine eigene Kabine erhalten. Als sie jedoch auch in der Nacht nicht mehr eingesperrt und am Tag die ganze Zeit überwacht werden wollte, verdunkelte sich Eyks Mine und schritt ohne weiteres Wort davon. Ab diesem Moment beschloss Mausami ihn nur noch in dringenden Situationen um einen Gefallen zu bitten und ansonsten weiterhin einfach sein Spiel zu spielen.

Die Zeit auf dem Schiff schien eine Ewigkeit zu dauern und trotzdem war Mausami erstaunt, als sie eines Tages vom Mast her hörte: "Land in Sicht!" Da die Männer alle in beschäftigtes Treiben verfielen, beschloss Mausami unbemerkt ihre Arbeit für eine Weile nieder zu legen und über die Reling zu blicken. Von weitem konnte man eine Insel erkennen, welche aus mehreren grossen Bergen, einem grossen Hafen und einem kleinen Dorf zu bestehen schien. Alles, was hinter dem Dorf lag, konnte man noch nicht erkennen. Mausami schloss die Augen und genoss den Wind, welcher ihr ins Gesicht blies und sanft an ihren Haaren zog. "Ist es nicht eine wunderschöne Insel?", fragte plötzlich eine bekannte Stimme neben ihr und Mausami zuckte erschrocken zusammen. Sie öffnete die Augen und blickte neben sich. Dort stand Eyk und schien vollkommen verzaubert vom Anblick der Insel und nur langsam löste er seinen Blick davon und sah Mausami in die Augen. "Ich hoffe, ich habe dich vorhin nicht erschrocken!", sagte er reumütig und ein sanftes Grinsen stahl sich auf seine Lippen. "Er ist wirklich ein guter Schauspieler!", dachte sich Mausami und versuchte nicht auf seine Masche hereinzufallen, doch er konnte wirklich ein grosser Charmeur sein. Höflich schüttelte sie den Kopf und sagte: "Oh, nein, das hast du nicht. Ich habe nur gerade die Aussicht genossen. Es ist wirklich eine schöne Insel!" Eyk nickte und liess seinen Blick wieder über den Horizont gleiten.

Das Schiff legte am Hafen an und die Männer begannen das Schiff zu entladen. Eyk trat auf das Brett heraus, welches als Brücke zwischen dem Schiff und dem Steg fungierte und hielt Mausami eine helfende Hand hin. Sie zögerte kurz, doch dann ergriff sie diese und liess sich vom Schiff begleiten. Als sie so Eyks Hand berührte, realisierte sie, dass dies das erste Mal war, seitdem er sie gefangen genommen hatte. Vorher hatte er immer einen Höflichkeitsabstand zwischen sich und ihr gelassen und war ihr nie zu nahegekommen. Für dies war sie wirklich dankbar, doch gleichzeitig machte es sie auch wütend, wie konnte ein Mann, der solch schreckliche Taten vollbrachte, nur so höflich und galant sein? Da sie aber keine Probleme haben wollte, folgte sie Eyk, welcher sie sanft durch das Chaos am Hafen führte und mit ihr zum Dorf lief. Sobald sie den Hafen und das Geschehen dort verlassen hatten, liess der Wikinger Mausamis Hand los. Zusammen liefen sie zu den Häusern der Insel und Mausami war gespannt, was sie erwartete.

Aufbruch ohne Ziel

Benjen, Osha und Eddard waren zusammen am Hafen angekommen und trafen dort die anderen Bewohner des Dorfes, welche das Verschwinden von Eyk und seinen Männern bemerkt hatten. Sie untersuchten den Steg und die Umgebung, doch konnten sie nichts Auffälliges bemerken. Benjen ging auf einen Mann, mit einem braunen Bart zu und fragte: "Thorsten, habt ihr etwas gefunden?" Der Wikinger schüttelte den Kopf und antwortete: "Nein, man könnte meinen, dass hier gar nie irgendein fremdes Schiff angelegt hätte. Sie müssen solche Aktionen schon öfters gemacht haben, denn sie haben wirklich keine Spur hinterlassen." Eine Frau mit langen blonden Haaren trat zu ihnen und sagte: "Es ist wirklich komisch. Ich verstehe nicht, was sie hier wollten. Sie haben nichts gestohlen, all unsere Ware, welche wir hier am Hafen lagern ist noch da." Osha trat zur Gruppe hinzu und erwiderte: "Svenja, ich weiss, was sie gestohlen haben! Sie haben meine Tochter und mehrere Drachen entführt!" Thorsten und Svenja blickten sie geschockt an und konnten es nicht glauben. "So kann man sich in Menschen täuschen! Sie haben so freundlich und hilfsbereit gewirkt! Aber woher wisst ihr, dass sie Mausami und die Drachen entführt haben? Sie sind vielleicht einfach irgendwo auf der Insel unterwegs", meinte Svenja. In diesem Moment traten Andre und Caleb dazu und der ältere Bruder sprach: "Wir haben bereits einen Teil der Insel abgesucht und man trifft kein einziges Lebewesen. Zudem haben wir in unserem Stall Spuren gefunden, welche darauf schließen, dass sie Mina betäubt und anschließend mitgenommen haben." Thorsten blickte die Familie betroffen an: "Dann müssen wir also los, um eure Tochter zu retten!" Alle Anwesenden nickten und beschlossen das Dorf zusammen zu rufen, um es ihnen mitzuteilen.

Schnell waren alle Bewohner des Dorfes auf dem Dorfplatz versammelt und Benjen sprach: "Wie ihr alle mitbekommen habt, haben von ein paar Tagen Eyk und seine Männer bei uns im Hafen angelegt. Sie behaupten Händler zu sein, welche neue Orte und Ansprüche erkunden wollen, doch sie haben uns getäuscht. Wir haben sie mit offenen Armen empfangen und sie haben dies rücksichtslos ausgenutzt. Heute Morgen waren ihre Schiffe weg und mit ihnen auch meine Tochter, sowie mehrere Drachen." Auf dem Platz begannen die Leute empört zu murmeln und blickten sich erstaunt an. Benjen hob eine Hand, um das Murmeln zum Verstummen zu bringen. "Wir werden sie jedoch sicher nicht mit dem davonkommen lassen! Wir werden sie verfolgen und ihre Gefangenen befreien! Um dies zu schaffen benötigen wir jedoch eure Hilfe. Wer ist dabei und nimmt mit uns die Verfolgung auf?", fragte er und blickte sich um. Mehrere Männer und Frauen reckten bestätigend ihre Fäuste in die Luft. Schon in kurzer Zeit hatten sie ein Team von zwei Duzend Leuten zusammen und ihnen wurden zwei der vier Zweimaster des Dorfes zur Verfügung gestellt. Schnell wurden die Schiffe mit den benötigten Vorräten und dem Material bestückt und dann trafen sich die Wikinger nochmal, um sich vor der Abfahrt noch ein letztes Mal zu beraten. Benjen blickte die versammelten Leute an und sprach: "Leider haben uns Eyk und seine Männer nicht verraten, wo sie genau leben, doch durch ihren Dialekt und ihre Ausrüstung konnten wir ungefähr eingrenzen, wo dass sie ungefähr herkommen müssen. Wir gehen davon aus, dass sie entweder im Norden oder im Osten von uns leben. Dies macht auch wirklich Sinn, da in beide Richtungen die Handelsrouten verlaufen. Sie wollten ja, dass ihre Täuschung möglichst authentisch ist und so könnte es gut sein, dass sie bereits über eine der Handelsrouten zu uns gekommen sind. Wir schlagen vor, dass wir mit einem Schiff die Route nach Norden und mit dem anderen jene nach Osten befahren und uns gegenseitig sofort informieren, falls wir etwas herausfinden. Sollten wir unterwegs auf andere Schiffe oder Inseln treffen, werden wir diese nach weiteren Hinweisen fragen." Alle Anwesenden nickten und machten sich bereit für den Aufbruch. Die Wikinger verteilten sich auf die Schiffe und am Hafen versammelten sich die Bewohner von Hjemøy, welche sie nicht begleiteten. Osha, Eddard, Benjen und alle anderen zurückbleibenden Wikinger winkten den wegfahrenden Schiffen hinterher und wünschten ihnen viel Glück. Das Schiff, auf welchem sich Andre und Caleb befanden, segelte nach Nordosten und das zweite machte sich auf in Richtung Norden.

Caleb stand an der Reling und blickte in die Ferne. Nach einer Weile stellte sich Andre neben ihn und für eine längere Zeit schwiegen sie einfach. "Hast du Horus eigentlich wirklich losgeschickt?", unterbrach Andre die Stille. Caleb blickte zu seinem Bruder und fragte eher neugierig als genervt: "Du glaubst doch sowieso nicht, dass es funktioniert. Warum fragst du überhaupt?" Andre löste seinen Blick vom Meer und wendete sich dem Wikinger zu. "Ich habe Angst um Mausami. Ich denke, wir sollten nichts unversucht lassen, um sie zu finden", sprach er ernst und Caleb konnte die Sorge in seinen Augen sehen. Er legte die Hand auf den Arm seines Bruders und versicherte ihm mit einem überzeugenden Lächeln: "Wir werden sie finden! Horus wird sie aufspüren und uns den Weg leiten" Andre blickte ihn dankbar an und zusammen beobachteten sie, wie ihre Heimatinsel langsam hinter ihnen am Horizont verschwand.

Die Insel der Drachenfänger

Mausami wurde von Eyk durchs Dorf der Drachenfänger geführt und sie merkte, wie alle Blicke auf ihr ruhten. Obwohl man ihr äußerlich nicht ansah, dass sie eine Gefangene war, wussten es doch alle. Da die Drachenfänger von einem Raubzug zurückkamen, gab es keine Frage, warum diese junge Frau mit ihnen gekommen war. Mausami blickte vor sich auf den Boden und versuchte die Menschen um sich herum auszublenden. Doch das Geflüster hörte sie trotzdem. Langsam rollte ihr eine Träne die Wange herunter, welche sie energisch wegwischte. Eyk schien dies jedoch bemerkt zu haben und so rief er: "Habt ihr nichts Besseres zu tun als zu gaffen?!? Geht gefälligst wieder eurer Arbeit nach!" Enttäuschtes Gemurmel brach aus, doch langsam verschwanden die Leute wieder. Mausami blickte sich vorsichtig und erleichtert um. Als sie wieder nach vorne sah, merkte sie, dass Eyk sie beobachtete. "Entschuldige das Verhalten von meinen Leuten. Sie bestaunen gerne unsere Jagdtrophäen, doch sie sind zu früh gekommen, die Trophäen befinden sich noch am Hafen", sprach Eyk und lächelte sie höflich an. Mausami stellte sich herausfordernd vor ihn und fragte: "Und was bin ich, wenn du mich nicht zu den Trophäen zählst?" Eyk grinste galant: "Ein Gast!" Die Wikingerin schnappte entrüstet nach Luft, doch bevor sie noch etwas erwidern konnte, zeigte Eyk mit einer ausschweifenden Handbewegung in die Richtung, in welche sie vorher bereits gegangen waren und sprach: "Darf ich bitten." Mausami blickte ihn finster an und ging ohne ein Wort an ihm vorbei weiter dem Weg entlang.

Bald hatten sie den hinteren Teil des Dorfes erreicht und Eyk lief auf ein grösseres Haus zu, welches etwas abseits der anderen Hütten stand. Es war von einem gepflegten Garten umgeben und hatte viele Verzierungen ins Holz geschnitzt. Mausami runzelte etwas verwirrt die Stirn. Warum brachte er sie zu diesem Haus, welches sehr wahrscheinlich ihm gehörte? Wollte er sie nicht einfach nur einsperren? Es verwirrte sie sehr, dass sie nicht wie eine Gefangene behandelt wurde, aber trotzdem keine Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit hatte. Es machte sie verrückt. Eyk drehte sich kurz vor der Tür um und sprach feierlich: "Willkommen in meinem bescheidenen Zuhause!" Kaum hatte er die Tür geöffnet, kam auch schon ein alter Hund auf ihn zugetrottet und liess sich schwanzwedelnd streicheln. Eyk lächelte und kraulte das Tier hinter den Ohren. "Papa!", rief plötzlich ein Mädchen mit einer roten Lockenmähne und warf sich in die Arme ihres Vaters. Auch seine zwei anderen Kinder kamen zum Vorschein und begrüssten ihn fröhlich. Dann bemerkten sie die fremde Frau und blickten sie interessiert an. Der Junge musterte Mausami abschätzend an und sprach dann zu seinem Vater: "Papa, was macht sie hier? Sie darf nicht zu uns ins Haus, sie ist eine Gefangene!" Mausami trafen die Worte dieses Kindes hart, denn er sprach genau aus, was die Erwachsenen des Dorfes bestimmt dachten. Sie blickte beschämt und traurig auf den Boden. Eyk jedoch schalt seinen Sohn: "Was fällt dir ein, so etwas Freches zu sagen! Sie ist unser Gast! Wenn du noch einmal so etwas sagst, kannst du gleich in dein Zimmer!" Der Junge zog erschrocken den Kopf ein und blickte dann erneut zu Mausami. Im selben Moment trat ein Mädchen von etwa 14 Jahren hinter ihm hervor und ging direkt auf die fremde Wikingerin zu. "Sei nicht so gemein zu ihr! Sie ist sicher ganz nett, denn so eine schöne Person kann gar nicht böse sein! Sieh dir nur dieses wunderschöne Kleid an!" Mausami hob ihren Blick und lächelte das Mädchen dankbar an. Dieses nahm Mausamis Hand und zog sie hinter sich her ins Wohnzimmer, in welchem bereits der Tisch fürs Abendessen gedeckt war. Eyk folgte ihnen zusammen mit seinen Kindern und seinem Hund. Aus der Küche trat nun noch seine Frau und blickte erstaunt zwischen ihrer Familie und der fremden Frau hin und her. "Hallo, mein Engel", sprach Eyk zärtlich, umarmte sie und begrüsste sie mit einem Kuss. Seine Frau jedoch stieß ihn von sich und fragte scharf: "Was hast du hier für ein Luder angeschleppt? Und dann wagst du es auch noch sie in mein Haus zu bringen?" Eyk hob beruhigend die Hände und versuchte zu erklären: "Sie ist nur ein Gast! Ich würde dich nie betrügen!" Seine Frau blickte zu Mausami und dann wieder zu ihrem Mann: "Und wie lange soll sie genau bleiben? Das hat sich der Herr bestimmt nicht überlegt! Er muss seinen Gast ja auch nicht bekochen!" - "Ich bitte dich, meine Königin! Sie wird sich nützlich machen und ich werde bestimmt schon bald wissen, was wir mit ihr machen werden! Hab bitte Geduld und vertrau mir!", sprach Eyk und schien vor seiner Frau zu schrumpfen. Helga schnaubte und drehte sich dann mit einem aufgesetzten Lächeln zu Mausami und ihren Kindern um. Wie wenn die fremde Frau gar nicht da wär, sprach sie: "Setzt euch, das Essen wird sonst kalt!" Myrcella nahm einen weiteren Teller und Besteck hervor und liess Mausami direkt zwischen sich und Alisha sitzen. Das Essen verlief schweigend. Mausami liess ihren Blick während der ganzen Mahlzeit auf ihrem Teller weilen, versuchte ihre Gefühle zu unterdrücken und fühlte sich miserabel. Helga warf ihrem Mann von der Seite vielsagende Blicke zu, welcher dieser jedoch ignorierte und so fokussierte sie sich auch einfach auf das, was vor ihr auf dem Tisch stand. Eyk blickte unauffällig zu seiner Frau, liess seinen Blick über seine Kinder schweifen, welche so taten, als wären sie sehr mit ihrem Essen beschäftigt und blieb schlussendlich an Mausami hängen. Er konnte die Trauer und ihr Leiden in ihrem Gesicht sehen und er hätte ihr gerne aufmunternd zugelächelt, doch wusste er, dass sie es nicht sehen würde. Was hatte er sich da nur eingebrockt. Alisha, Sven und Myrcella wechselten untereinander viele Blicke, beobachteten Mausami und liessen gleichzeitig ihre Eltern nicht aus den Augen. Sie wussten zwar nicht so recht, was genau vorgefallen war, doch erkannten sie alle, dass es besser war im Moment zu schweigen. Als Helga ihren Teller geleert hatte, stand sie ruckartig auf und begann den Tisch abzuräumen. Der Rest der Familie beendete ebenfalls schnell ihre Mahlzeit und die Kinder halfen schweigend beim Abräumen. Kurz darauf verliessen sie die Küche und verschwanden alle in ihren Zimmern. Nur noch Eyk und Mausami sassen am leeren Tisch und schwiegen. Die junge Frau hatte den Blick noch immer gesenkt und wusste nicht, was sie tun sollte. Am anderen Ende des Tisches stand Eyk langsam auf und sprach: "Dann werde ich dir wohl langsam dein Zimmer zeigen!" Mausami erhob sich ebenfalls und ging auf die Tür zu, ohne ihren Blick zu heben. Plötzlich trat Helga wieder aus der Küche, packte Eyk am Arm und flüsterte ihm ins Ohr, ohne dass es Mausami hören konnte: "Auch wenn du sie als Gast bezeichnest, wirst du das Zimmer gefälligst abschließen. Ich möchte nicht, dass sie in der Nacht hier im Haus herumgeistert, uns etwas stiehlt oder schlimmeres!" Eyk blickte seine Frau ernst an und nickte. Helga lächelte zufrieden und verschwand erneut in der Küche. Der Wikinger blieb etwas verloren stehen, sah zu Mausami hinüber und fühlte sich schlecht, da er ihr so eine grosse Last aufgetragen hatte. Er sah, wie sie darunter litt und wie sie versuchte die Tränen zurückzuhalten. Erschöpft ging er auf sie zu und sagte sanft: "Folge mir." Die Wikingerin nickte ganz schwach und ging mit gesenktem Kopf hinter ihm her. Er führte sie zu einem kleinen Gästezimmer und öffnete ihr die Tür. Langsam schritt sie über die Schwelle und hob den Kopf ein wenig, um sich umzublicken. Langsam begannen ihre Schultern zu zittern. "Es tut mir leid!", sprach Eyk ganz leise und schloss, nachdem von Mausami keine weitere Reaktion gekommen war, hinter ihr die Tür. Er drehte den Schlüssel zweimal und ging dann fort. Im Zimmer konnte die junge Frau ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie liess sich aufs Bett fallen und weinte sich in den Schlaf.

Während der ganzen Nacht wälzte sich Mausami unruhig im Bett hin und her und am nächsten Morgen erwachte sie bereits früh. Sie stand auf, stellte sich ans Fenster und blickte auf den zwei Stöcke tiefer liegenden Garten. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch sie konnte bereits ein paar Vögel trillern hören. Zuerst fühlte sie sich, wie wenn sich die Vögel mit ihrem fröhlichen Gesang über sie lustig machen würden. Doch je länger sie darüber nachdachte, wie diese kleinen Geschöpfe trotz der Dunkelheit ihre Stimmen erheben und sich so ihr eigenes inneres Licht erschufen, wuchs ihre Entschlossenheit. Sie würde sich nicht unterkriegen lassen! Sie würde kämpfen! Sie musste nur den richtigen Zeitpunkt abwarten und dann würde sie fliehen können. Entschlossen drehte sie sich um und blickte zur Tür, hinter welcher sie Schritte vernahm. Langsam drehte sich der Schlüssel im Schloss und die Tür sprang mit einem leisen Klicken auf. Helga trat ins Zimmer und lächelte Mausami an, wie wenn der gestrige Abend nie geschehen wäre. "Guten Morgen! Hast du gut geschlafen?", fragte sie freundlich. Mausami machte mit bei diesem Spiel und antwortete, ebenfalls lächelnd: "Ja, ausgezeichnet. Danke." Helga nickte zufrieden und meinte dann: "Komm mit, es wartet viel Arbeit auf uns!" Die junge Wikingerin folgte der Hausherrin, welche sie in die Küche führte. Zusammen bereiten sie das Frühstück vor und deckten den Tisch. Es dauerte nicht lange, da stürmten auch schon die Kinder ins Esszimmer und setzten sich hungrig an ihre Plätze. Die Frauen und Kinder aßen von dem reichlich gedeckten Tisch und waren schnell satt. Nachdem die Teller abgeräumt waren, verschwanden die Jüngsten des Hauses auch schon wieder und verabschiedeten sich kurz darauf, da sie alle in die Schule mussten. Gerade als Mausami den Korb mit den frisch gebackenen Broten in den Lagerraum bringen wollte, trat Eyk ins Zimmer. Es schien kälter zu werden im Raum und ein trübes Schweigen breitete sich aus. Helga versuchte die Stimmung mit einem übertrieben fröhlichen "Guten Morgen, Schatz" zu lockern. Eyk lächelte seine Frau an, umarmte sie und gab ihr einen Kuss. "Wir werden bald zurück sein!", sprach er und wendete sich dann zu Mausami. Diese blickte ihm zuerst in die Augen, doch bald schon konnte sie es nicht mehr ertragen und wendete ihren Blick dem Boden zu. Eyk räusperte sich, sagte dann aber nichts, sondern schnappte sich nur einen Brotlaib und verließ das Haus. Die junge Wikingerin blieb unbewegt stehen und grübelte über das Geschehene nach. "Lass uns weitermachen! Sonst kommen wir heute nie mit allen Arbeiten durch!", riss Helga sie aus ihren Gedanken und so räumten sie den Tisch fertig ab und wuschen das Geschirr. Auch den ganzen restlichen Tag waren sie im und ums Haus herum beschäftigt und am Abend viel Mausami erschöpft ins Bett. Doch noch bevor sie einschlief dachte sie sich: "Meine Zeit wird kommen!"

Hinweise

Die Schiffe mit welchen Andre, Caleb und die Wikinger von Hjemøy in Richtung Norden und in Richtung Nordosten segelten kamen gut voran. Sie hatten bereits nach kurzer Zeit eine grosse Strecke zurückgelegt. Doch gleichzeitig gab es das Problem, dass sie nicht wussten, in welche Richtung sie genau zu segeln hatten. Sie versuchten im Wasser oder auf den Inseln, an welchen sie vorbeikamen einen Hinweis auf den Verbleib der Schiffe von Eyk zu finden, doch sie entdeckten nichts. Als es langsam Abend wurde und sie noch immer nichts entdeckt hatten, beschlossen sie vor einer unbewohnten Insel die Anker auszuwerfen und am nächsten Tag mit der Suche fort zu fahren. Caleb wäre zwar gerne weiter gesegelt, um seine Schwester möglichst schnell zu finden, doch er musste auch Andre recht geben, denn in der Nacht könnte es sein, dass sie eine Spur nicht sehen und somit vom Weg abkommen würden. So blieben ein paar Wachen auf dem Deck und die restlichen Frauen und Männer zogen sich in ihre Kojen zurück und ruhten sich aus. Nur Caleb konnte kein Auge zu tun. Er hatte das Gefühl, dass sie noch nicht alles in ihrer Macht stehende getan hatten, um Mausami zu finden. Er beschloss noch schnell auf den höchsten Mast zu klettern und dort vom Krähennest aus nach Anzeichen von anderen Menschen zu suchen. Er blickte in alle Richtungen und hoffte auf den Schimmer eines Feuers oder einer sonstigen Lichtquelle, doch alles war dunkel und ruhig. Caleb sank erschöpft und etwas entmutigt auf den Boden des Aussichtspunkts. Es dauerte nicht lange, da übermannte ihn bereits ein traumloser Schlaf.

Am nächsten Morgen erwachte Caleb mit einem verspannten Rücken und kribbelnden Füssen. Er stand auf, streckte sich ausgiebig und stampfte ein paar Mal auf den Boden, um das Blut wieder in alle Körperteile fließen zu lassen. Sobald er sich wieder etwas lebendiger fühlte, blickte er noch einmal in alle Richtungen, schwang sich dann über den Rand des Krähennestes und kletterte geschickt aufs Deck hinunter. Dort waren bereits einige Wikinger unterwegs und machten das Schiff bereit zum Ablegen. "Gut geschlafen in deinem Turm, Rapunzel?", fragte Andre seinen Bruder grinsend. Dieser verdrehte nur die Augen und rieb sich den noch immer etwas schmerzenden Rücken. "Legen wir bald ab?", fragte Caleb und beobachtete das Treiben auf dem Schiff. "Ja, wir werden bald wieder unterwegs sein", antwortete Andre und blickte zum Horizont. Die Brüder sagten zwar nichts, doch wussten sie beide, dass sie ans Gleiche dachten: Hoffentlich würden sie heute eine Spur finden, ansonsten könnte es schwer werden. Auch vom anderen Schiff hatten sie noch keine erfreulichen Neuigkeiten erhalten. Es dauerte nicht mehr lange, da wurde der Anker gelichtet, die Segel gespannt und das Schiff war wieder unterwegs. Sie kamen nur selten an einer Insel vorbei und so konnten sie noch immer keine Hinweise finden. Als die Sonne schon wieder langsam Richtung Horizont wanderte, sahen sie eine Insel, welche ganz offensichtlich bewohnt war. Für Andre und Caleb war sofort klar, was zu tun war und so gab der ältere Bruder den Befehl: "Steuert diese Insel an! Wir werden dort nach Hinweisen fragen!"

Sie segelten an den Hafen, banden das Schiff dort fest und Andre, Caleb und ein paar weitere Frauen und Männer verliessen das Schiff. Mehrere Kinder spielten am Strand direkt neben dem Steg, doch als die Fremden an ihnen vorbeiliefen, blickten sie neugierig zu ihnen hoch. Als die Hjemøy-Bewohner weiterliefen, merkte Caleb, wie die Kinder ihnen leise kichernd folgten. Im Dorf angekommen richtete sich schon bald alle Blicke auf die Neuankömmlinge und eine kräftige Frau trat hervor und sprach: "Willkommen auf der Insel Taus! Ich bin Erna. Was führt euch hier her?" Andre trat hervor, stellte sich und die anwesenden Wikinger kurz vor und erklärte ihr dann, warum sie unterwegs waren. Erna blickte ihn schockiert an. "Eine Entführung! Das habe ich auch schon lange nicht mehr mitbekommen. Wie können wir helfen?", fragte sie sogleich hilfsbereit. Caleb erklärte: "Wir wissen den Namen des Entführers, doch nicht seine Heimatinsel. Wir hatten gehofft, dass ihr diesen Mann vielleicht kennen würdet." Erna nickte ernst und fragte: "Und wie lautet dieser Name? Wenn es jemand von hier in der Gegend ist, sollte ich Ihn kennen." Andre blickte seinen Bruder erfreut über diese Nachricht an und sprach: "Sein Name ist Eyk." Die Frau grübelte angestrengt nach und wiederholte den Namen ein paar Mal. Langsam blickte sie von Andre zu Caleb und wieder zurück und meinte: "Es tut mir leid, aber dieser Name sagt mir nichts!" Die Brüder liessen enttäuscht die Schultern hängen und wussten nicht recht, was sie tun sollten. "Wie wäre es, wenn ihr mir diesen Eyk noch einmal genau beschreiben würdet. Vielleicht bin ich ihm schon einmal begegnet, aber habe seinen Namen nicht erfahren", sagte Erna und blickte die Skyvells aufmunternd an. Caleb blickte Andre schulterzuckend an und meinte: "Einen Versuch ist es wert!" So beschrieben sie ihr Eyk möglichst genau, wie er sprach, wie er sich kleidete und wie er sich bewegte. Erneut überlegte sie eine Weile, doch dieses Mal begann sie schon nach kürzerer Zeit zu sprechen: "Ich möchte euch keine falschen Hoffnungen machen, doch diese Beschreibung kommt mir tatsächlich bekannt vor. Als ich einmal auf einer Insel im Westen von hier war, bin ich einem Mann begegnet, welche auf dem Markt alle Stände genaustens unter die Lupe genommen hat. Er ist mir verdächtig vorgekommen, doch als ich ihn angesprochen habe, war er sehr freundlich und zuvorkommend. Auch sein Aussehen trifft auf eure Beschreibung. Dies könnte er tatsächlich gewesen sein!" Caleb blickte sie erfreut an und fragte: "Denkst du, dass er dort auf der Insel gelebt hat oder war er nur auf der Durchreise?" Erna runzelte die Stirn und meinte: "Ich würde behaupten, dass er von dort ist oder von irgendwo in der Nähe, denn mehrere Leute schienen ihn gekannt zu haben." Andre blickte die Wikinger um ihm herum erfreut an und sagte: "Das sind wundervolle Neuigkeiten! Lasst uns sofort aufbrechen! Thorsten, schick dem anderen Schiff einen Raben mit den guten Neuigkeiten!" An Erna gewandt sprach er: "Danke dir vielmals! Wir stehen tief in deiner Schuld. Doch entschuldige uns nun, wir dürfen keine Zeit verlieren!" Die Wikingerin nickte verständnisvoll und rief ihnen noch ein "Viel Glück!" hinterher. Als das Schiff wieder abgelegt hatte und die Hjemøy-Bewohner in Richtung Westen davon segelten, gesellten sich nun auch die Kinder, welche das ganze Gespräch belauscht hatten zu Erna. Ein Junge ging zu ihr und fragte: "Warum schickst du sie nach Westen? Onkel Eyk wohnt doch im Osten!" Die Frau blickte liebevoll auf ihren Sohn, streichelte seinen Kopf und sprach lächelnd: "Du wirst es verstehen, wenn du älter bist!"

Freund und Feind

Auch am Tag darauf half Mausami Helga mit allen möglichen Arbeiten, sie wuschen Wäsche, trugen die Lebensmittel ins Lager und bereiteten das Essen für die Kinder vor. Eyk war noch nicht zurückgekehrt und so gab es kein weiteres Zusammentreffen von ihm und Mausami. Am Nachmittag gingen die zwei Frauen nach draußen, um im Garten das Unkraut zu jäten und die Blumen zu pflegen. Sanft schien die Sonne vom Himmel und wärmte Mausamis Rücken. Während sie so da sass, hing sie ihren Gedanken nach und merkte nicht wirklich, was um sie herum geschah. Nach einer Weile sprach Helga: "Ich muss kurz ins Haus. Mach einfach weiter, ich bin gleich wieder da!" Die Wikingerin nickte abwesend und zupfte ein weiteres Unkraut aus der Erde. Plötzlich hörte sie ein leises Krächzen über sich, welches ihr bekannt vorkam. Sie blickte nach oben und sah Horus über sich kreisen. Am liebsten hätte sie vor Freude laut geschrien, doch sie riss sich zusammen und streckte ruhig ihren Arm aus. Sofort landete ihr Falke darauf und liess sich genüsslich den Kopf kraulen. "Ich bin so froh, dass du hier bist!", flüsterte Mausami ihm ins Ohr. Gleichzeitig wusste sie aber auch, dass es gefährlich für ihn war, lange zu bleiben. Sie zog sich eines ihrer Armbänder ab und legte es dem Vogel vorsichtig ums Bein. "So, mein Junge, flieg jetzt los und bring diese Kette zu meiner Familie. Ich weiss, dass du ihnen den Weg weisen wirst!", murmelte die Wikingerin ihrem Vogel sanft zu und liess ihn dann wieder in die Lüfte steigen. Sie blickte ihm nach, doch schon bald war er aus ihrem Sichtfeld verschwunden. "Faszinierende Wesen, nicht wahr?", fragte plötzlich eine Stimme hinter ihr und Mausami schrak zusammen. Sie drehte sich um und sah sich einem Wikinger gegenüber, welchen sie auch schon zusammen mit Eyk gesehen hatte. Sie versuchte in seinem Gesichtsausdruck zu lesen, was er alles gesehen hatte, doch sie konnte es nicht erkennen. "Ja, es sind wirklich schöne Tiere! Es muss toll sein, so fliegen zu können", antwortete sie und hoffte, dass er nicht beobachtet hatte, wie sie dem Falken etwas mitgegeben hatte. "Wie wahr! Aber ich hoffe doch, dass dieses hübsche Vögelchen nicht auch auf die Idee kommt, davon zu flattern", sprach der Mann, umfasste ihr Kinn und blickte ihr tief in die Augen. Und da erkannte sie, dass sie aufgeflogen war. In ihrem Gesicht zeichnete sich der Schrecken und die Angst ab und er antwortete mit einem bösen Grinsen darauf. Er knurrte: "Wie schade nur, dass deine Familie dich nie hier finden wird!" Mit diesen Worten packte er sie grob am Arm und zerrte sie mit sich. Mausami schrie laut und versuchte sich los zu reißen, doch sein Griff war zu stark. Sie sah noch, wie Helga aus dem Haus gerannt kam und ihnen verwirrt hinterher blickte, doch da hatte der Mann sie auch schon um die Hausecke gezerrt.
Mausami wehrte sich mit Händen und Füssen gegen den Griff des Mannes, doch er war zu stark. Sie dachte hektisch darüber nach, wie sie freikommen könnte und da realisierte sie, dass sie noch den Spaten für die Gartenarbeiten an einem Gürtel um ihre Taille gebunden hatte. Der Wikinger blickte sie nicht an und so konnte sie unauffällig mit ihrer freien Hand nach dem Werkzeug greifen. Sie hielt den Spaten mit festem Griff und wusste, dass der erste Schlag sitzen musste, denn ansonsten wäre sie noch tiefer in der Klemme, als sie es bereits war. Sie versuchte mit dem Mann Schritt zu halten, damit sie nicht strauchelte, holte tief Luft und schlug ihm den Spaten auf den Kopf. Der Wikinger brüllte vor Schmerz auf, sackte in die Knie und liess Mausamis Arm los. Diese rannte sofort los und warf keinen weiteren Blick zurück. Sie hörte, wie der Mann fluchte und laut nach Verstärkung rief. Diese schien ganz in der Nähe gewesen zu sein, denn die Flüchtende konnte bereits mehrere Stimmen hören, welche in ihre Richtung kamen. Mausami rannte so schnell sie konnte in den Wald hinein, damit die Wikinger ihr nicht so leicht folgen konnten. Sie sprang über hervorstehende Wurzeln, rannte an Brennnesseln vorbei und schrammte sich an spitzen Ästen die Arme auf. Sie steckte all ihre Energie in ihre Beine und schaute nicht zurück, doch sie konnte die Männer hinter sich atmen hören und sie wusste, dass sie immer näher kamen. Verzweifelt versuchte sie ihre Schritte zu beschleunigen, doch sie merkte, wie ihre Kraft sie langsam verließ. Nicht nur die Flucht, sondern auch schon die vorherigen Versuche, aus dem Griff des Mannes frei zu kommen, hatten ihre Energie beansprucht. Sie sprang über einen umgefallenen Baumstamm, blieb mit ihrem Kleid hängen und konnte sich nur knapp wieder losreißen, bevor die Männer sie erreicht hätten. Sie strauchelte und schlitterte eine kleine Absenkung hinunter. Unten angekommen, sprang sie sofort wieder auf und versuchte schnell hinter einem grossen Felsen zu verschwinden, ohne dass die Wikinger, welche sie verfolgten, dies mitbekamen. Als sie jedoch sah, was sich dahinter verbarg, schrie sie erschrocken auf. Vor ihr richtete sich ein Riesenhafter Albtraum zur vollen Größe auf und knurrte ihr gefährlich ins Gesicht. Wie erstarrt blickte Mausami dem majestätischen Geschöpf in die Augen und hörte hinter sich: "Da haben wir dich, du kleines Miststück!" Eine andere Stimme sog erstaunt die Luft ein und flüsterte: "Das ist ja ein Prachtexemplar für die Arena!" Als eine kräftige Hand sich um Mausamis Arm schloss, dachte sie schon, dass sie jetzt wieder die Gefangene war, doch der Mann schleuderte sie aus dem Weg und die Wikinger begannen langsam den Drachen einzukreisen. Mausami landete hart am Fusse des Felsens und beobachtete mit Schrecken, wie die Wikinger mit ihren Schwertern immer wieder den Drachen angriffen, damit er keine Zeit hatte, um davon zu fliegen.
Der Drache wehrte sich indem er versuchte nach den Wikingern zu schnappen, doch diese konnten immer knapp ausweichen oder dann wurde der Drache genau in diesem Moment von einem anderen Wikinger mit dem Schwert getroffen, dass er sich vor Schmerz aufbäumte und den Menschen so verfehlte. Doch trotz der Übermacht konnte sich der Riesenhafte Alptraum wehren und schlug mit einem heftigen Flügelschlag zwei der Männer von sich. Der eine wurde gegen einen Baum geschleudert, rappelte sich aber gleich wieder auf und stieg wieder in den Kampf ein. Für den zweiten ging es nicht so gut aus. Er wurde gegen den grossen Felsen geschleudert, schlug sich den Kopf auf und blieb bewusstlos liegen. Mausami blickte den Wikinger geschockt an, wendete ihren Blick aber wieder ab und dem Kampf zu. Die Männer schienen langsam die Überhand zu gewinnen, denn der Drache konnte nicht die Angriffe von allen Seiten auf einmal verteidigen. Die Wikinger wollten den Alptraum offensichtlich schwächen, damit sie ihn anschließend einfach in die Arena transportieren konnten. Plötzlich jedoch drehte sich der Drache schnell einmal im Kreis, warf so mehrere Männer auf den Boden und schleuderte ein paar weg von der Lichtung. Nun sah die Situation wieder ganz anders aus. Innert kürzester Zeit hatte sich der Drache von dieser Übermacht befreit und sah sich jetzt nur noch einer überschaubaren Anzahl Wikinger gegenüber. Die Männer hatten dies natürlich auch realisiert und so versuchten sie diesen Kampf möglichst schnell zu gewinnen, bevor sie noch weitere Männer verloren. Der Drache jedoch hatte durch die nun verbesserte Aussicht auf seine Freiheit wieder neue Energie erkoren und wehrte sich noch stärker. Er konnte noch weitere Wikinger von sich schleudern und knurrte den letzten noch vor ihm stehenden Mann an. Alle anderen lagen verstreut auf dem Boden und hielten sich ihre Wunden oder waren ohnmächtig. Doch da sah Mausami, wie sich einer dieser Männer hinter dem Drachen lautlos erhob und mit gezücktem Schwert auf den Drachen zulief. Da die Wikingerin nicht wollte, dass der Drache in Gefangenschaft kam oder sogar sterben musste, überlegte sie nicht lange, sondern schnappte sich das Schwert des ohnmächtigen Wikingers und rannte los. Kurz bevor das Schwert des Drachenfängers niedersausen konnte, schlug Mausami ihre Waffe dagegen und bremste so den Schwung des anderen. Bei diesem Klirren wirbelte der Drache herum, schlug dabei den Wikinger, welcher vor ihm gestanden hatte, aus dem Weg und richtete sich knurrend vor Mausami und dem Drachenfänger auf. Dieser war jedoch so wütend, weil sein Siegesschlag verhindert wurde, dass er sich auf Mausami stürzen wollte, um sich an ihr zu rächen. Bevor er dies machen konnte, schnappte ihn der Drache und schleuderte ihn in hohem Bogen davon. Mausami rappelte sich vorsichtig auf und sah sich dem Alptraum Auge in Auge gegenüber. Langsam liess sie das Schwert fallen und blickte ihn entschlossen an. Der Drache hielt den Augenkontakt für eine Weile, dann schnaubte er und verschwand mit einem starken Flügelschlag zwischen den Baumwipfeln. Mausami konnte es nicht glauben und blickte sich etwas verwirrt um. Die Wikinger lagen alle noch am Boden und jene, welche noch nicht das Bewusstsein verloren hatten, verbanden sich ihre Wunden. Die Wikingerin wusste, dass sie nicht länger bleiben konnte, denn sie würden sich bald erholen und so rannte sie los in den Wald hinein.

Gegen die Zeit

Der Wind blies stark in die Segel der Hjemøy-Schiffe und trieb sie so schnell Richtung Westen voran. Andre und Caleb hatten neuen Mut und neue Hoffnung erhalten, nachdem sie endlich einen Hinweis erhalten hatten, wo sie Mausami oder zumindest Eyk finden könnten. Sie fuhren an mehreren unbewohnten Inseln vorbei, immer mit Kurs auf den Ort, welcher ihnen von der Frau beschrieben worden war. Die Brüder standen schweigend nebeneinander am Rehling und blickten aufs weite Meer. Sie hingen beide ihren Gedanken nach, als einer der Männer an Bord plötzlich rief: "Seht! Ein Falke! Was macht solch ein Vogel auf dem offenen Meer?" Caleb drehte sich erfreut um, denn er wusste natürlich bereits um was für einen Falken es sich handelte. Er streckte seinen Arm aus und Horus landete gekonnt darauf. Andre trat erstaunt neben seinen Bruder und sprach: "Ich hätte nicht gedacht, dass er uns so schnell findet!" Caleb kraulte den Vogel am Kopf und antwortete frech: "Ich wusste von Anfang an, dass er es kann!" Andre wollte gerade auf diese Bemerkung reagieren, als er die Kette am Fuss des Vogels erkannte. Er nahm sie Horus vorsichtig ab und betrachtete sie geschockt. "Sie hat ihm ihre Kette mitgegeben. Wir müssen sie sofort finden! Vielleicht schwebt sie in Gefahr!" Caleb nickte zustimmend und auch die Wikinger, welche sich langsam um sie versammelt hatten, waren gleicher Meinung. Svenja fragte besorgt: "Aber in welche Richtung? Der Vogel ist aus Osten gekommen, aber die Frau hat uns gesagt, dass die Insel im Westen liegt" Gemurmel brach unter den Wikingern aus und auch Caleb und Andre blickten sich fragend an. Da sprach Andre zum Erstaunen seines Bruders: "Ich denke wir sollten auf Horus vertrauen. Er war offensichtlich bei Mausami und hat anschließend das Schiff gefunden. Er wird uns auch zu unserer Schwerster führen können!" So wendeten sie das Schiff, teilten den anderen Wikinger mit, welche auch auf der Suche nach Mausami waren, in welcher Richtung sie sich in etwa befinden sollte und segelten los. Dem Schiff voraus flog Horus und leitete sie immer näher zu ihrem Ziel.

Mausami schlenderte etwas ziellos durch den Wald und versuchte sich einen Plan zurecht zu legen, wie sie am besten von dieser Insel wegkommen könnte. Sie machte sich auch langsam Gedanken darüber, wie sie die Nach verbringen sollte, denn sie glaubte nicht, dass sie noch am selben Tag von diesem Ort wegkommen würde. Obwohl sie noch nie im Freien geschlafen hatte, wusste sie doch recht viel über die Natur und wie man sich darin am besten zurechtfindet. Zum einen lernten sie die allgemeinen Grundlagen in der Schule und zusätzlich hat ihr ihre Mutter auch ihr Wissen über Kräuter, Beeren und Wurzel weitergegeben. Außerdem hatte sie ihre Brüder auch schon in den Wald begleitet und sich dabei viele Überlebenstipps angeeignet. So suchte sie sich zuerst einen sicheren Unterschlupf, welcher sie vor Kälte und vor dem Wetter über die Nacht schützen würde. Sie fand eine kleine Einbuchtung in einem Felsen, welche auch noch von ein paar nahestehenden Bäumen und Büschen geschützt war. Da man sie somit auch nicht von weitem sehen konnte, beschloss Mausami die erste Nacht dort zu verbringen. Während der Dämmerung sammelte sie noch ein paar Beeren und Wurzeln, welche sie verspeiste, bevor sie sich zum Schlafen in die Einbuchtung legte. Sie fühlte sich zwar noch immer nicht sicher, doch sie wusste, dass sie den Schlaf für den nächsten Tag brauchen würde.

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