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Was denken Drachen eigentlich? Wie handeln sie untereinander? Und welche Abenteuer bestehen sie ohne ihre Reiter? Hier könnt ihr die Abenteuer von Nicka, Thorins treuem Drachen, und ihren Freunden Adeus, Orion, Ozeanwind und Fafnir lesen.

Folge 1: Ein neuer Morgen Bearbeiten

Die Gischt peitschte unter unseren Flügeln auf, als wir uns aus dem Sturzflug abfingen. Ich brüllte triumphierend auf und auch meine Freunde äußerten ihre Freude lauthals - endlich hatten wir alle den Parkour gemeistert. "Dann können wir ja gleich mit dem nächsten Teil des Trainings weitermachen", hemmte Adeus unsere Begeisterung sofort. Das creme-farbene Wollgeheul hatte früher wohl eine schwere Zeit gehabt, aber es wollte damit einfach nicht herausrücken. Inzwischen hatte er sich durch seine zielstrebige und disziplinierte Art zum Anführer unserer Truppe gemausert. Nun scheuchte er uns mit seinem Training von einer Seite der Insel zur anderen, was uns ziemlich auf die Nerven ging. Da vergaß selbst ich manchmal meine Dankbarkeit wegen der Krankheit... Ich bin übrigens Nicka, ein grauer Im-Rauch-verschwindender Qualmdrache - diesen viel zu langen Namen haben die Menschen meiner Art gegeben. Die anderen aus der Gruppe schätzen meine Witzigkeit und Intuition, zumindest glaube ich das.

Unter Meckern und Stöhnen flogen wir also in Richtung Wald, wo die nächste Trainingseinheit stattfinden sollte. Laut Adeus, der unsere Beschwerden entweder nicht hörte oder nur ignorierte, brauchten wir umbedingt Übung im Kampf Drache-gegen-Drache. Die Waldlichtung lag in der Nähe einer Schlucht. Und da wir nicht zum ersten Mal hier waren, wussten wir, dass es die größte Demütigung war, in ebenjene zu fallen. Das hatte nämlich der gute Fafnir beim letzten Mal zu spüren bekommen. Ich habe natürlich nicht gelacht, höchstens vielleicht ein bisschen. Ach ja, Fafnir ist ein gelber Humpelnder Grunzer - auch nicht viel besser, der Name. Er lässt wirklich kein Fettnäpfchen aus, kann aber auch in manchen, wenn auch seltenen Momenten ein richtiger Held sein.

Der erste Kampf fand zwischen Orion und mir statt. Orion war der Neueste in der Truppe. Thorin, mein Reiter, hatte ihn erst vor Kurzem gezähmt und so musste sich der Leuchtende Fluch, so heißt seine Spezies, sich erst an uns gewöhnen. Er war also ein ziemlicher Einzelgänger und ließ sich nur ungern helfen. Außerdem war er mindestens dreimal so groß wie ich, was für ein fairer Kampf. Sollte wohl eine Maßnahme von Adeus sein, damit ich mich mehr anstrenge, oder so. Ich hatte wohl ziemlich lange gezögert, jedenfalls stieß mich meine beste Freundin Ozeanwind - das war sie zumindest meistens - sanft in Richtung Kampfplatz. Sie war ein Glutkessel, deren Reiterin anscheinend die Schwester von Thorin war. Ihre Güte und Nachgiebigkeit wurden von uns allen sehr geschätzt, doch das nützte mir jetzt reichlich wenig. Meinem Schicksal ergeben, schritt ich also möglichst anmutig in den Ring. Orion lauerte schon geduckt auf der anderen Seite des Platzes, er wartete nur noch auf Adeus' Signal. Ich ging ebenfalls in Angriffsposition und als Adeus' Gebrüll erschallte, rannte ich los. Mir war klar, dass ich das Duell nicht mit Stärke gewinnen konnte. Ebenso wenig konnte ich schneller als er fliegen. Ich musste also meine geringe Körpergröße nutzen, um ihn hereinzulegen. Das klingt in der Theorie zwar wie ein guter Plan, aber Denken ist eben ein bisschen schwer, wenn du andauernd dem lähmenden Nebel eines Leuchtenden Fluchs ausweichen musst. Schließlich fasste ich den Entschluss, ihn an den Rand der Klippe zu locken, um dann um ihn herumzufliegen und ihn hinabzustoßen. Ich erhob mich in die Luft und flog provozierend in Orions Nähe. Wenn er mich schon besser gekannt hätte, wäre er mir wahrscheinlich nicht hinterher gesprungen. Aber da das nicht der Fall war, tat Orion genau das. Es waren nur noch ein paar Meter bis zur Klippe. Ich blickte über die Schulter... und sah Orion nicht. Dafür traf mich ein Schlag von der Seite und ich spürte, wie ich gelähmt wurde. Der Junge war nicht dumm, das wusste ich nun. Nur war das leider etwas zu spät. Und schon fiel ich die Klippe herunter.

Der Boden der Schlucht sauste auf mich zu. Zum Glück lief ein Fluss durch die Schlucht, sonst wäre das wohl mein Ende gewesen. Wie ein Stein plumste ich in die Fluten und zum Glück weckte der Strom des Wassers meinen Körper schnell wieder aus der Lähmung. Aber die Demütigung würde bleiben. Das konnte ich doch auch noch ein bisschen warten lassen, also schwamm ich ans Ufer des Flusses und ließ mich in dem Rest Sonne, der in die Schlucht fiel, trocknen. So saß ich einige Zeit da, bis ich plötzlich ein Geräusch hörte. Es klang wie leises Pfeifen, nein eher ein Fiepen. Es klang beinahe so... so wie ein Drachenbaby! Schon sauste ich nach oben, doch auf halben Weg hielt ich an. Vielleicht war es nur ein Trick von Adeus oder Orion und sie wollten mich noch weiter demütigen. Diesem Gedanken folgend, flog ich wieder in das Dunkel des Schluchtbodens und schloss die Augen. Das Fiepen schien von weiter rechts zu kommen. Konzentriert lief ich immer weiter, bis das Geräusch sehr nahe war. Und... ich stand vor einem Geröllhaufen, toll. Aber ein plötzlicher Geisteblitz ließ mich bleiben, vielleicht waren ja ein paar junge Drachen in einer Höhle eingesperrt, deren Eingang eingestürzt ist. Ich versuchte die möglichen Gefangenen durch ein Brüllen auf mich aufmerksam zu machen und sofort kam eine Antwort. Verdammt, es waren also tatsächlich Drachen in der Höhle. "Hilfe, Hilfe!", konnte ich ihre Rufe nun deutlich hören.

Allein wäre es mir nie gelungen, die Jungen zu befreien, deshalb flog ich nach oben, um die anderen zu holen. Erst lachten sie natürlich über mich, aber als sie den Ernst der Lage erkannten, kamen sie sofort mit. "Geht weit weg vom Ausgang!", wies Adeus die jungen Drachen an. Wir wollten die Felsen nämlich wegsprengen. Endlich mal eine tolle Idee!, dachte ich mir. "Nicht!", erklang plötzlich eine leise Stimme. "Wer war das?", wollte ich wissen, doch niemand hatte etwas gehört. Nur Adeus fragte mich, ob mit mir alles in Ordnung sei - von wegen Sturz und so. "Nein, alles in Ordnung", gab ich knapp zurück und machte mich an die Arbeit.

Es dauerte nicht lange und ein großes Loch klaffte zwischen den Felsen. Da ich die kleinste unserer Gruppe war, sprang ich hinein und sah nach den Jungen. Die drei Kleinen standen am Ende der Höhle und sahen mich verängstigt an. Es waren drei junge Nadder, die vermutlich übermütig in der Höhle gespielt hatten und sie durch Geschrei oder Feuerbällen oder was auch immer Nadder so machen zum Einsturz gebracht hatten. "Ihr braucht keine Angst zu haben, ihr seid in Sicherheit!", sagte ich sanft zu ihnen. Und plötzlich war wieder diese Stimme da: "Ja..." Verwirrt führte ich die jungen Nadder aus der Höhle und übergab sie an Adeus. "Das war tolle Arbeit! Vielleicht sogar mehr wert als das heutige Training...", beendete Adeus die heutige Trainingseinheit und zwinkerte mir beim letzten Satz zu. Dann hoben wir alle ab und flogen in unterschiedliche Richtungen davon.

ENDE

Folge 2: Familie Bearbeiten

Familie ist etwas Schönes. Die Geborgenheit, die man von ihr erfährt, die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, das Verständnis, das sie einem entgegenbringt, ich selbst hatte das alles nie. Ich weiß noch nicht einmal, wer meine Eltern waren. Warum ich davon rede? Einige Tage nach den Ereignissen in der Schlucht nahm uns Adeus statt zum üblichen Training zu der Schockrachen-Höhle auf Mingard mit, in der er aufgewachsen war.

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