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"Die Drachen-Festspiele" ist der zweite Teil der Mingard-Saga und wurde von Lord Aralor geschrieben.

PrologBearbeiten

Thorin war glücklich. Von allen Inseln ausgerechnet Mingard, und von allen Jugendlichen ausgerechnet er! Er, Thorin Odinson, durfte Mingard bei den Drachen-Festspielen vertreten. Das war der größte Wettbewerb für junge Drachenreiter, den es in ihren Breiten gab - was für eine Ehre! Noch gestern war er schlaftrunken und schlecht gelaunt aus seinem Bett zur Tür geschlurft, weil er das Schaben eines Drachen gehört hatte. Als er Weitwind, Mingards Postdrachen, im Türrahmen gesehen hatte, war er dann aber doch überrascht gewesen - Thorin bekam nicht oft Post. Warum denn auch, alle seine Freunde wohnten ja auch auf Mingard. Also hatte er den Brief, der am Rücken des Drachen befestigt war, sofort losgebunden und geöffnet. Sein Jubelschrei hatte im Nachhinein für Ärger mit einigen Wikingern, die noch ausschlafen wollten, gesorgt... Jetzt flog Thorin auf seinem Drachen Orion, zusammen mit seinem Vater Tyr, seiner Schwester Lara, seinem Freund Erik und ihren Drachen, in Richtung der Insel, auf der die Festspiele dieses Jahr stattfinden sollten. „Wann sind wir endlich da?“, rief Lara durch den pfeifenden Wind. Thorin amüsierte sich über die Ungeduld seiner kleinen Schwester, sie waren erst seit einer halben Stunde in den Sätteln ihrer Drachen. Die Gruppe musste noch etwa eine Stunde fliegen, dann würden sie ihr Ziel erreichen: Die Insel Skjergholm war so schön wie sie mächtig war, sie beherbergte mächtige Drachen und ihre Wikinger waren wahre Meister im Zähmen der gigantischen Kreaturen - das erzählte man sich zumindest.

Kapitel 1: Die Teilnehmer

Skjergholm war tatsächlich eine schöne Insel. Klares Wasser umspülte die Steilklippen im Osten der Insel und die Strände voll feinem Sand im Westen. Hinter den Stränden befand sich eine mit Gras bewachsene Ebene, die nach hinten hin immer steiler wurde. Danach folgten einige hundert Meter Wald, bis man ins Zentrum von Skjergholm kam. Dort war das Dorf, das für Drachen und Menschen ideal geignet war. Von der Häuptlingshütte in der Mitte aus erstreckten sich Straßen in alle Richtungen. Die Häuser hatten alle Anbauten an den Dächern, damit die Drachen der Bewohner dort bequem leben konnten. Der einzige Makel war, dass es sehr dunkel war. Ein gigantischer Berg im Süden Skjergholms warf seinen Schatten auf die belebten Gassen des Dorfes und so liefen alle Wikinger mit Fackeln herum.

Thorin und seine drei Begleiter erreichten die Insel von Westen, denn in dieser Richtung lag Mingard. Schnell flogen sie über die verschiedenen Landschaften der Insel, bis sie beim Dorf ankamen. "Wo sollen wir landen?", fragte Thorin seinen Vater. "Da hinten!", nahm Lara Tyr die Antwort ab und deutete dabei auf einen kleinen Platz am Nordrand des Dorfes, auf den rote Markierungen und Runen gemalt waren. Nacheinander schossen die vier Drachenreiter zu dem Landeplatz herunter, und stiegen von ihren Drachen. Sie brachten die Drachen in die Ställe, die an den Platz angrenzten. Die Ställe waren eine mehrstöckige Anlage und verfügten über Kammern für verschiedene Drachenarten. "Hier wird ja gut für dich gesorgt", sagte Thorin zu Orion, seinem Leuchtenden Fluch, und deutete dabei auf den Trog voller Leuchtalgen in Orions Kammer. Doch in seinen Gedanken war der junge Wikinger schon ganz woanders. Er und seine Begleiter waren alle neugierig, wer noch bei den Festspielen mitmachte. "Wir schauen gleich mal, was es hier für Läden gibt!", sagte Lara aufgeregt zu Erik. Sie nahm in an einer Hand und zog in den Gang entlang zu den Ausgängen. Vor der Tür drehte er sich noch einmal kurz um und verdrehte die Augen - was Lara zum Glück nicht sehen konnte. Thorin grinste nur zurück, wie um zu sagen: "Tja, sie ist deine Freundin, also musst du das auch mitmachen." Er selber wollte gleich einmal die anderen Teilnehmer suchen und teilte das auch seinem Vater mit. "Gut, ich gehe währenddessen in die Taverne. Da treffe ich sicher ein paar alte Freunde", antwortete ihm Tyr. Thorin tätschelte noch einmal Orion, dann verließ er die Ställe und machte sich auf den Weg zur Häuptlingshütte. Dort sollten sich nämlich laut dem Brief alle Teilnehmer der Drachen-Festspiele versammeln - und einer von ihnen war Gerüchten zufolge sogar Hicks, der berühmte Drachenreiter, der mit seinem Nachtschatten Ohnezahn Drago Blutfaust besiegt hatte! Auf seinem Weg blieb Thorin an Kreuzung stehen, in der man durch die Gassen den gewaltigen Berg gut sehen konnte. "Weil das Licht am Abend nicht vom Berg aufgehalten wird, ist es da heller als jetzt - verrückt, was?", hörte er plötzlich eine weibliche Stimme hinter sich. Thorin drehte sich um und sah ein schwarzhaariges Mädchen, das wahrscheinlich etwas jünger war als er. "Ich bin Lena", stellte sie sich vor. "Ich bin Thorin. Machst du auch bei den Spielen mit?", fragte Thorin sie. Das Mädchen nickte. "Wir können ja gemeinsam zur Häuptlingshütte gehen", schlug Lena vor. Also gingen die beiden Teilnehmer gemeinsam weiter. Schließlich erreichten sie die Hütte und Lena öffnete die Tür. Doch Thorin hatte im Augenwinkel noch etwas auf dem Landeplatz ausgemacht und sagte seiner Begleiterin, dass sie schon einmal hineingehen solle. Lena ging etwas irritert in das Haus und schloss die Tür hinter sich. Nun sah Thorin noch einmal genauer in Richtung des Landeplatzes und tatsächlich: dort war gerade ein Nachtschatten gelandet. Der Drache hatte schwarze Schuppen, doch seine Schwanzflosse hatte eine andere Farbe: sie war rot. So eine Färbung konnte nicht natürlich sein, die Schwanzflosse war wahrscheinlich eine Prothese. Und das ließ nur eine Schlussfolgerung zu: dieser Drachen war Ohnezahn, der Nachtschatten von Hicks.

Die Häuptlingshütte war großräumig und an den Wänden hingen allerlei Waffen und Trophäen. Der Tür gegenüber stand ein Tisch, hinter dem ein bärtiger Mann auf einem großen Stuhl saß. Der Mann war groß und hatte rot-braunes Haar. „Er muss Skjergholms Häuptling sein“, dachte Thorin. Er sah sich weiter um und stellte fest, dass schon drei weitere Teilnehmer im Raum standen. Ganz links stand ein Mädchen mit blonden Haaren, das den Eindruck machte, eher schwach zu sein. Aber irgendwie hatte Thorin das unbestimmte Gefühl, dass das gar nicht zutraf - vielleicht lag es an dem kampfeslustigen Funkeln in ihren braun-grünlichen Augen. Direkt neben der Tür stand ein Junge in weiß-grauer Kleidung, der eher einen ruhigen Eindruck machte. Lena stand am rechten Ende des Raumes. Thorin stellte sich zwischen Lena und den anderen Jungen. Plötzlich öffnete sich wieder die Tür, und der letzte Teilnehmer kam herein. Es war ein junger Mann mit braunen Haaren, der eine grau-braune Rüstung trug. „Gut!“, sagte der Häuptling, der inzwischen von seinem Stuhl aufgestanden war, „Dann können wir ja anfangen. Also, ich bin der Häuptling von Skjergholm und heiße Ilmar. Und was sind eure Namen?" Der Junge mit der ruhigen Ausstrahlung begann: „Ich bin Tyler.“ „Meine Name ist Alicia“, sagte das blonde Mädchen. Danach stellte sich Lena vor. Um nicht der Letzte zu sein, machte Thorin schnell weiter: „Ich heiße Thorin.“  Der letzte Teilnehmer sagte schließlich mit ruhiger Stimme: „Und ich bin Hicks.“ Der berühmte Drachenreiter machte also tatsächlich bei den Festspielen mit!

Kapitel 2: Das Festmahl

"Schau dir mal diese Brosche an, Thorin", forderte Lara Odinson ihren Bruder mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht auf, "Siehst du den Glutkessel in der Mitte? Die wird Ozeanwind bestimmt gefallen!" Lara hatte auf ihrer Einkaufstour mit Erik durch Skjergholm augenscheinlich Erfolg gehabt. Während Thorin gezwungenermaßen die goldene Brosche in der Hand seiner Schwester begutachtete, gesellte sich Tyr zu den Geschwistern und Erik. Es war Abend und die drei standen auf dem Hauptplatz von Skjergholm. Am Abend stand nämlich ein gemeinsames Essen der Teilnehmer und der Zuschauer auf dem Programm. "Oh, dieser verdammte Grimmson. Was erlaubt der sich!", brummelte Mingards Häutpling vor sich hin. Dann sah er die drei Jugendlichen an und fragte: "Na, wie habt ihr euren Nachtmittag verbracht?" Erik schielte nur zu Lara hinüber, die immer noch ihre Brosche betrachtete, und Tyr begann zu lachen. Thorin und Erik stimmten in sein Lachen ein. Lara hatte inzwischen bemerkt, worüber sie lachten, und sah sie erst anschuldigend an, musste dann aber auch grinsen.

Auf einmal erklang ein Horn und Thorin verabschiedete sich schnell von den anderen. Ilmar hatte ihnen vorhin in der Hütte mitgeteilt, dass dies das Signal war, bei dem sie an den Rand der Bühne kommen sollten. Die Wikinger stellten ihre regen Gespräche ein und es wurde still. Thorin gesellte sich zu den anderen Teilnehmern der Festspiele an den Rand des hölzernen Podestes, auf dem Ilmar stand. "Aufgeregt?", fragte Tyler flüsternd. Keiner antwortete ihm, aber allen war die Nervosität anzusehen. Da begann Ilmar auch schon mit seiner Rede: „Seid gegrüßt, Wikinger! In dieser Woche finden die Drachen-Festspiele zum 23. Mal statt! Ihr wisst, was das bedeutet: Wie immer haben wir fünf junge Wikinger eingeladen, um ihre Inseln zu vertreten. Sie werden um Ruhm und Ehre für ihre Inseln und sich selber kämpfen und all ihr Können im Umgang mit den Drachen unter Beweis stellen. Doch nur einem winken große Belohnungen und ewiger Ruhm: dem Sieger! Und diese tapferen Wikinger kämpfen um den Sieg: Als erstes lasst uns Alicia begrüßen, die Anführerin des belanischen Stammes!“ Das blonde Mädchen betrat die Bühne und die Menge klatschte und jubelte, dann fuhr Ilmar mit der Vorstellung der Teilnehmer fort. „Und hier kommt Lena Nachtherz, die auf ihrem Klingenpeitschling Schimmerflügel reitet!“ Lena stellte sich neben Alicia und wieder kam Applaus auf. „Als nächstes: Tyler, der Junge, der den Todes-Wisper besiegt hat!“ Tyler gesellte sich zu den beiden Mädchen und erneut jubelten die Wikinger. „Und jetzt kommt Thorin Odinson, der zukünftige Häuptling von Mingard!“ Während Thorin auf die Bühne ging, schoss ihm durch den Kopf, dass sein Titel als einziger nicht auf Leistung schloss, sondern nur auf sein Geburtsrecht. Er machte sich schon Sorgen, ob die Zuschauer ihn auch so freudig empfangen würden, wie sie es bei den anderen getan hatten. Doch wenige Augenblicke später stellte sich heraus, dass diese Sorgen unbegründet gewesen waren. Die Menge jubelte und klatschte bei ihm genauso wie bei den anderen Teilnehmern. Nach Thorin rief Ilmar Hicks auf die Bühne und betonte dabei dessen Sieg über Drago Blutfaust, woraufhin Hicks auf der Bühne sagte, dass er dabei nur Glück gehabt habe. Thorin fragte sich, ob der berühmte Drachenreiter das ernst meinte oder es nur sagte, um nicht angeberisch zu wirken.

"In den nächsten Tagen werden wir alle für verschiedene Favoriten jubeln", fuhr Ilmar mit seiner Rede fort, als der Applaus für Hicks verklungen war. "Darum lasst uns heute noch einmal gemeinsam zusammensitzen. Lasst das Festmahl beginnen!" Aus einer Straße, die nördlich an den Platz grenzte strömten mehrere dutzend Einwohner Skjergholms auf den Hauptplatz. Sie trugen Tische aus dunklem Holz und stellten diese in fünf Reihen auf. Dann verließen sie den Platz wieder und die Menge wurde wieder lauter. Nur wenige Minuten später kehrten die Diener wieder zurück und sie trugen Teller mit den köstlichsten Speisen auf ihren Armen. Riesige Mengen an Fisch, Fleischstücke, bei deren Anblick einem das Wasser im Mund zusammenlief, dampfende Schalen voll Suppe und viele andere Speisen bedeckten schon bald die Tische und die Wikinger verteilten sich schnell an die fünf Tischreihen. Thorin hätte sich gerne zu seiner Familie gesetzt, doch Ilmar hatte die Teilnehmer in der Häuptlingshütte dazu angewiesen, sich mit ihm und einigen anderen ranghohen Bewohnern Skjergholms an den mittleren Tisch zu setzen. "Hier ist noch frei", rief Lena ihm auf einmal zu und so setzte sich Thorin zwischen sie und Tyler. Einige Zeit genossen alle das köstliche Essen und sagten nichts, doch dann brach Ilmar das Schweigen: "Ich weiß, was für ein Druck auf euch lastet. Als die Spiele noch ein Wettbewerb waren, der nur Teilnehmer aus Skjergholm gegeneinander antreten ließ, kämpfte ich selbst um 'Ruhm und Ehre'. Und so viele sagten mir, was für eine Schande es war, dass ich als Häuptlingssohn 'nur' zweiter geworden war. Aber egal was sie euch sagen werden, gebt einfach euer bestes. Es ist keine Schande, nicht erster zu werden." Für einen kurzen Moment dachte Thorin, Ilmar würde bei den letzten Worten besonders ihn ansehen, doch da stand Ilmar schon auf. "Ich helfe jetzt bei der Vorbereitung der ersten Disziplin mit, aber ihr könnt euch gerne noch weiter an der Zaubereien aus den Küchen unserer Insel erfreuen." "Das werden wir!", antwortete ihm Hicks grinsend. Ilmar verließ sie in Richtung der Straße, aus der zuvor die Diener gekommen waren, die das Essen gebracht hatten, und die Teilnehmer der Spiele tauschten sich einige Zeit über ihre Herkunft, Erlebnisse und vor allem natürlich Drachen aus. "Worüber werdet ihr prahlen?", fragte Alicia plötzlich, als eine unangenehme Pause auftrat, weil niemandem mehr Gesprächsstoff einfiel. Als alle sie fragend anblickten, ergänzte sie leicht gereizt: "Na, bei der ersten Disziplin, dem Geschichtenerzählen!"

Kapitel 3: Hicks' GeschichteBearbeiten

"Habt ihr denn gar nicht aufgepasst, als Ilmar den Ablauf der Spiele erklärt hat?", fragte Alicia pikiert. "Natürlich, aber wenn du nur solche wagen Andeutungen machst, können wir ja nicht wissen, wovon du sprichst!" Thorin gefiel diese selbstsichere - wenn nicht sogar überhebliche Art - Art nicht, die Alicia seit dem Beginn des Festessens an den Tag legte. War das einfach nur ihre Art oder machte sie der Wettkampf nervös, was sie aber natürlich nicht zugeben wollte? "Hört schon auf zu streiten", beschwichtige Tyler sie da in seiner gewohnt beruhigenden Art. "Ihr werdet später noch genug Gelegenheiten haben, euch miteinander zu messen." Die Situation hätte sich wohl weiter zugespitzt, denn Alicia setzte bereits zu einem neuen Kommentar an. Doch zum Glück erklang in diesem Moment erneut das Horn, das den Beginn einer Disziplin ankündigte, und sich einander finstere Blicke zuwerfend, folgten Thorin und Alicia den anderen zur Bühne. Auf dieser stand nun im flackernden Schein eines Lagerfeuers unterhalb der Bühne ein hochlehniger Stuhl, der über und über mit Schnitzereien verziehrt war. Die Wikinger, gespannt auf die erste Disziplin, wandten ihre Aufmerksamkeit Ilmar zu, der neben dem verzierten Stuhl Stellung bezogen hatte. "Meine Freunde, nun da eure Mägen gefüllt und alltäglichen Neuigkeiten erzählt sind, seid ihr sicher sehr gespannt auf die erste Disziplin, die hohe Kunst des Geschichtenerzählens! Die fünf jungen Kontrahenten werden nacheinander von einer abenteuerliche Geschichte aus ihrem Leben berichten. Und das ist schwerer als es klingt, denn mit Wörtern zu jonglieren, ist genauso schwer wie mit Bällen, eine gute Pointe zu finden, so kniffelig wie das Finden eines Dracheneis im Nebel. Doch wer diese Herausforderungen annimmt und meistert, den sollten wir auch belohnen. Nachdem alle jungen Drachenreiter ihren Beitrag erzählt haben, hebt euren Krug für denjenigen, der eure Anerkennung am meisten verdient. Dieser Held der Worte soll 50 Punkte erhalten und so mit einem großen Vorsprung in das Rennen um den Sieg starten." Tosender Applaus brach aus und Thorin fragte sich, ob einige der Wikinger überhaupt noch nüchtern genug seien, um für irgendeinen der Teilnehmer abzustimmen, so laut grölten sie.

"Lasst uns als erstes Hicks dem Hünen III. unser Gehör schenken!", rief Ilmar, nachdem sich die Menge wieder einigermaßen beruhigt hatte. Unter germurmelten Glückwunschen der anderen Teilnehmer - außer Alicia - begab sich Hicks auf die Bühne und nahm auf dem Stuhl Platz. Die Wikinger wurden so ruhig, dass man das Knistern des Feuers bis in die hintersten Reihen hören konnte. Hicks schien kurz nachzudenken, dann räusperte er sich und fing an: „Heute erzähle ich euch, wie wir, die sechs Drachenreiter von Berk, Freundschaft mit den Drachen schlossen.“ Thorin war positiv überrascht, weil Hicks trotz seines großen Ruhmes das „wir“ so betont hatte. Nach einer kurzen Pause fuhr Hicks fort: „Wie ihr vielleicht wisst, lebten die Wikinger von Berk und die Drachen in tiefer Feindschaft. Wir verletzten sie mit unseren Äxten und Schwertern, sie zündeten unsere Häuser an. Ich musste - wie die anderen Kinder aus Berk – schon früh beim Löschen der Brände mithelfen, aber niemand hatte großes Vertrauen in mich. Ich war ja ein Hicks, ein Schwächling!“ Er lachte und einige Wikinger stimmten ein. „Auf jeden Fall wollte ich mich eines Tages beweisen und versuchte, den gefürchteten Nachtschatten zu erlegen.“  Viele Wikinger zuckten zusammen, als Ohnezahn, der als einer von nur wenigen Drachen während des Geschichtenerzählens auf dem Dorfplatz zugegen war, im Hintergrund ein unfreundliches Knurren hören ließ, doch Hicks beruhigte ihn: „Hey, Ohnezahn! Du weißt doch, dass es gut ausgegangen ist! Aber jetzt weiter in der Geschichte!“

Obwohl die meisten Wikinger die Geschichte über die Berkianer und Hicks schön kannten, wurden sie von Hicks Erzählung in den Bann gezogen, da Hicks so gut die Worte traf. Er hatte über seine Freundschaft mit Ohnezahn erzählt, über seinen Sieg über den Roten Tod und über einige andere Abenteuer, aber jetzt kam er zum Ende: „Jetzt soll aber mal der nächste erzählen – mir geht schon die Puste aus!“ Viele Wikinger lachten und applaudierten genauso laut wie nach Ilmars Rede. Thorin glaubte schon zu wissen, für wen die meisten der Wikinger später abstimmen würden. "Gut gemacht", murmelte Tyler, als Hicks zu den anderen Teilnehmern zurückkam, und Thorin und Lena nickten zustimmend. Nur wenige Augenblicke später wurde Thorin freundlich von Ilmar auf die Bühne gebeten. "Das ist immer noch ein Wettbewerb", konnte Thorin Alicia gerade noch zischen hören, während er mit verkrampftem Magen in Richtung Stuhl lief.

Kapitel 4: Thorins GeschichteBearbeiten

Während Thorin dem Stuhl näherkam und seine Anspannung sich zusehends vergrößerte, konnte er einen genaueren Blick auf die Schnitzarbeiten am Stuhl werfen. Sie stellten hünenhafte Gestalten, von denen Thorin vermutete, dass es Abbildungen von Göttern waren, gigantische Drachen, die noch nie ein Wikinger aus Mingard gesehen hatte, und mächtige, mit Runen verzierte Klingen dar. Aus der Nähe erschien Thorin der Stuhl sehr alt und ein seltsames Gefühl der Ehrfurcht stieg in ihm auf, das die Anspannung ein wenig verdrängte. Langsam setzte er sich und blickte in die Menge der Wikinger, die ihn erwaltungsvoll ansah. Das half seiner Abspannung nicht gerade ab, doch die Kerben auf den Lehnen, die er angekrampft umklammerte, gaben ihm ein wenig Mut und er konnte sich sammeln. Er überlegte sich noch ein paar Formulierungen, dann begann er mit seiner Erzählung:

„Ich werde euch jetzt über den Kampf zwischen Mingard und Thytars Armee erzählen. Die ganze Sache begann vor vielen Jahren, sogar noch bevor ich überhaupt geboren worden war. Mein Vater Tyr, der Häuptling von Mingard, hatte einen Bruder namens Ikol. Sie waren gute Freunde und bestanden so manche Abenteuer. Doch als ihr Vater unerwartet starb, war es aus mit der Geschwisterliebe, denn ein Streit um die Nachfolge entbrannte. Als der Ältere konnte sich Ikol schließlich durchsetzen und wurde zum neuen Häuptling von Mingard. Die Wikinger unserer Insel jubelten ihm bei seiner Ernennung zu, denn niemand konnte damals ahnen, welch schreckliches Spiel er mit ihnen spielte.“ Thorin machte eine kurze Pause. Seine Worte hörten sich seltsam fremd an, als würden sie nicht von ihm stammen, doch sie gefielen ihm. Vielleicht hatte er ja doch eine geringe Chance, diese Disziplin zu gewinnen. „Erst drei Jahre später offenbarte Ikol sein wahres Gesicht: seit seiner Ernennung hatte er sich eine Drachenarmee aufgebaut, mit der er den ganzen Osten des Archipels unterjochen wollte. Nun erkannten auch die Einwohner von Mingard, wie zerfressen von Machtgier ihr Anführer war und stellten sich gegen ihn. Doch es war zu spät, denn Ikol verschwand daraufhin für eine lange Zeit mit einem Großteil der Drachen auf Mingard. Er hatte sie genauso getäuscht wie ihre Reiter und so ihre Loyalität gewonnen." Wieder machte Thorin eine Pause, doch dieses Mal nicht freiwillig. Einige Wikinger am Tisch auf der rechten Seite, darunter ein großer, dunkelhaariger, hatten begonnen, sich - für alle gut hörbar - in gehässigem Tonfall über die Schwäche der Einwohner Mingards zu äußern. Eine Unruhe breitete sich über alle Tische aus und nur wenige Augenblicke später war die Menge lautstark in Streit ausgebrochen. Thorin wusste, dass Mingard durch Ikol einen schlechten Ruf erlangt hatte, da dieser auf seiner Flucht einige Male andere Inseln und Dörfer geplündert hatte. Doch dass die Wikinger trotz der Bemühungen seines Vaters, die Betroffenen zu entschädigen und somit Mingard wieder zu der ruhmreichen Insel zu machen, die sie vor Ikols Zeit gewesen war, so heftig auf diese Thema reagieren würde, hätte er nicht gedacht. "Ruhe!", rief Ilmar plötzlich in einem barschen Tonfall, den Thorin von ihm so gar nicht kannte. "Gebt dem Jungen eine gerechte Chance, seine Geschichte zu Ende zu bringen - auch du, Grimmson!" Der Mann mit den dunklen Haaren setzte eine sehr finstere Miene auf, antwortete aber nicht.

"Ikol ist inzwischen tot - auch wenn wir lange Zeit nichts davon wussten", setzte Thorin seine Erzählung fort, als die meisten Wikinger gemäß Ilmars Anweisung ihm wieder ihr Gehör schenkten, und hoffte dabei, dass er sie mit der Erwähnung vom Tod des verhassten Mannes besänftigen konnte. "Doch vor einem Jahr tauchten plötzlich am Horizont vor Mingard mehrere Dutzend Schiffe auf und es waren jene Schiffe, mit denen Ikol die Insel verlassen hatte. Ich war damals 15 Jahre alt und hatte keine Ahnung von den Ereignissen um den Verräter, die damals geschehen waren. Doch als ich die Drachen erblickte, die ihn schrecklichen, eisernen Panzerungen über den Schiffen schwebten und diese teils auch zogen, wusste ich, dass es eine große Schlacht geben würde. Diese Schlacht gegen Thytar, den Erben von Ikol, nennen wir die große Schlacht von Mingard und wir hätten sie vermutlich katastrophal verloren, wenn uns nicht die vier Nachtschatten aus einer alten Legende zu Hilfe gekommen wären. Sie kämpften tapfer für die Verteidigung der Insel und gaben uns neue Kraft.“ Thorin war sich bewusst, dass er einige Aspekte seiner Erzählung genauer hätte erklären müssen und einige Zusammenhänge fehlten, doch insgesamt war er mit dem bisherigen Verlauf seines Beitrages zufrieden. Aber jetzt kam der schwerste Teil, denn er beinhaltetete eine Sache, die er immer noch nicht ganz verwunden hatte. „Viele der feindlichen Drachen flohen und wir ließen sie ziehen. Obwohl Thytar die Ausweglosigkeit seiner Lage bewusst war, legte er es noch auf einen letzten Kampf fand zwischen ihm und meinem Drachen Adeus an. Nox, der Drache auf dem Thytar ritt, war schon besiegt, da schnappte er sich noch einen Zipfel von Adeus‘ Rüstung und…“ Thorin musste schlucken, als die frische Wunde wieder aufplatzte. „Und riss ihn mit sich in den Tod. Durch die schwere Rüstung versanken beide mit Thytar in den Fluten.“

Kapitel 5: ChaosBearbeiten

Sofort nachdem er diese Worte zu Ende gesprochen hatte, begannen die Explosionen. Überall wurde die Erde zerfetzt und auf dem ganzen Platz loderten gleißende Stichflammen auf. Alle Wikinger sprangen voller Panik auf und liefen blind vor Angst und ohne Rücksicht auf andere nehmend in Richtung der angrenzenden Straßen. Auch Thorin warf sich gerade noch rechtzeitig vom Stuhl weg, als die Bühne hinter ihm Feuer fing. Der Rauch und die gellenden Panikschreie, die in seine Ohren drangen, trübten seine Sinne, doch er konnte nur an eines denken: wo war seine Familie? Er rannte hustend durch die Flammen und bekam mehrfach die Ellbogen von flüchtenden Wikinger zu spüren. Einer dieser Stöße, von einem großen Mann in einer Felljacke, war so stark, dass Thorin ins Straucheln kam, stürzte und hart auf dem Boden aufschlug. Er schmeckte Blut und noch etwas anderes, das er nicht einordnen konnte. Mit schmerzenden Händen stützte er sich auf und begriff dann, was dieser andere Geschmack gewesen war. An der Stelle, auf der sein Kopf aufgeschlagen war, befand sich eine Lache aus einer dunklen, zähen Flüssigkeit: Öl. Diese Brände konnten keine natürliche Ursache haben, jemand musste das Öl überall am Platz - vielleicht sogar im ganzen Dorf - ausgeschüttet und entlfammt haben. Diese Erkenntnis brachte Thorin wieder einigermaßen zu Sinnen. So schwer es ihm auch fiel, er musste die Suche nach seiner Familie fürs Erste unterbrechen und die neuen Information Ilmar, Hicks oder sonst irgendwem mitteilen, der etwas dagegen unternehmen konnte. Hastig sprang Thorin über einen umgestürzten Stuhl, duckte sich unter den Armen einer nach ihren Freunden und Verwandten schreienden Frau hindurch und erstarrte dann mitten im Lauf. Etwa dreißig Meter von ihm entfernt hatte er eine Szene erblickt, die ihn mit Entsetzen erfüllt hatte. Inmitten einer Öllache kniete sich ein kleines Mädchen weinend über einen blutüberströmten Mann - vermutlich ihren Vater. Nicht weit entfernt stand der dunkelhaarige Wikinger, Grimmson, der während Thorins Erzählung über Mingard gelästert hatte. Eine Explosion hinter ihm riss Thorin aus seiner Schockstarre und er brüllte Grimmson zu: "Das Öl wird sich gleich entzünden!" Doch der Wikinger starrte ihn nur grinsend an und verschwand hinter einer Wand aus Flammen. Die Flammen schlossen sich immer enger um die zwei Personen in der Öllache und Thorin lief in einem letzten Akt der Verzweiflung auf sie zu. Aber bei sich wusste er schon, dass er sie nicht rechtzeitig erreichen konnte. Er hatte noch nicht einmal die halbe Strecke geschafft, da leckte eine Flamme am Rand der Ölpfütze und grelle Flammen schossen aus ihr hervor. Thorin sank kraftlos auf die Knie - er hatte schon wieder einen Tod nicht verhindern könne, wie damals den von Adeus. Da erblickte er auf einmal einen mächtigen Schatten in der Luft. Es war ein Drache und in seinen Klauen trug er zwei Gestalten, eine kleine und eine größere, das Mädchen und ihr Vater. Innerlich jubelte Thorin über die Rettung und hätte diese Freude gerne auch geäußert, doch er jetzt musst er sich erst einmal um seine eigene Rettung kümmern. Er hastete durch das Flammenlabyrinth, wich auflodernden Feuern aus und irgendwie gelang es ihm trotz der schlechten Sicht und der gleißenden Hitze dem Inferno zu entkommen. Erst als er einigen Abstand zwischen sich und die Flammen gebracht hatte, wagte er, sich die Auswirkungen des Angriffs auf die Spiele anzusehen. Halb Skjergholm brannte, Drachen warfen sich verzweifelt gegen ihre Stallttüren, es rannten immer noch Wikinger schreien durch das Feuer und ebenjenes breitete sich rasend aus, kurz: Das Chaos war perfekt!

Diesen Gedanken hatte auch die grimmig dreinblickende Gestalt, die auf dem flachen Dach eines Hauses im noch vom Feuer verschonten Teil Skjergholms stand. Das Flackern der Flammen ließ sein blasses Gesicht unheimlich, ja fast schon dämonisch aussehen. Ohne dieses Lichtspiel, ohne die schrecklichen Narben, die sein ganzes Gesicht überzogen, und ohne den hasserfüllten Blick aus seinen dunklen Augen, hätte man in diesem Gesicht feine, schöne Züge ausmachen können, doch Zeiten in denen diese ihn geschmückt hatten, lagen lange zurück. Auf einmal verzog sich sein Mund zu einem schmalen, kaum sichtbaren Lächeln und er schloss die Augen. Er war seinem Ziel schon sehr nahe, das wusste er. Er würde seine Rache bekommen und nichts und niemand würde ihn davon abhalten, auch nicht Thorin Odinson. Schwungvoll drehte er sich um und sprang auf den Rücken eines jungen, blauen Drachen, der die ganze Zeit hinter dem Mann gekauert hatte. Der Nadder stöhnte unter der Last des Mannes, doch als sein Reiter ihm ein Signal gab, bot er ihm Gehorsam und stieg in die Luft.

Kapitel 6: Im Lager Bearbeiten

Während sich in einem anderen Viertel des Dorfes ein junger Drache in die Lüfte schwang, stand Thorin immer noch auf der Anhöhe etwas nördlich des brennenden Orts und überblickte die Lage. Erneut in die Flammen hineinzurennen, schien ihm sinnlos. Vermutlich waren alle Wikinger dem Feuer schon entkommen oder hatten - er musste schlucken - keine Chance mehr auf Rettung. Wenn er jetzt nach Überlebenden suchen würde, würde er sich damit nur selbst in Gefahr begeben und höchstwahrscheinlich umkommen. Doch was sollte er stattdessen tun? Herumzustehen und zu warten brachte ihm und den anderen Wikingern auch nicht viel mehr. Als er so grübelnd auf dem Hügel stand, hörte er plötzlich den vertrauten Klang von Ilmars Horn ein wenig östlich des Dorfes. Erst meinte Thorin er würde sich täuschen, denn das Prasseln des Großbrandes war selbst bis zu seinem Standort laut zu hören und der Ruf des Horns kam dagegen kaum an. Aber die melodische Tonfolge wiederholte sich noch einige Male und schließlich war er sich sicher, dass Ilmar die Überlebenden zu sich rief. Während Thorin sich auf den Weg über die hügelige Landschaft im Norden des Dorfes machte und sich dabei an den immer wieder erklingenden Hornklängen orientierte, kamen ihm üble Gedanken darüber, was er wohl dort vorfinden würde. Hatte seine Familie überlebt? Und die anderen Teilnehmer der Festspiele? Konnten die Drachen entkommen?

Er stieg über einen letzten Kamm und erblickte dann ein provisorisches, aber dennoch beeindruckendes Lager. Wie es den Wikingern gelungen war, in der geschätzten halben Stunde, in der er vom Hügel aus auf das Dorf hinabgesehen hatte und dann hierher gekommen war, den Sammeplatz zu errichten, war ihm ein Rätsel. Doch den Liegen mit Verletzten, die von älteren Frauen mit Kräutern behandelt wurden, den Haufen an Lebensmitteln und den Männern, die eine Liste mit Anwesenden anfertigten, schenkte er kaum Beachtung. Er lief hektisch durch die Scharen an Leuten, die ebenfalls nach ihren Freunden und Verwandten suchten, und hielt schließlich schwer atmend an einem beleuchteten runden Fläche an, auf der sich kaum Menschen befanden. Nur Ilmar und einige andere Oberhäupter standen in eine rege Diskussion vertieft vor einem Stapel aus Rüstungen, Schilden und Waffen. "S-sind sie noch am Leben?", japste Thorin und die Männer wandten sich ihm mit ernsten und leicht gereizten Gesichtern zu. "Ich meine Lara und Erik und Orion und..." Ilmars Miene hellte sich ein wenig auf, doch der Ton, in dem er Thorin antwortete, war fast so barsch, wie bei seinem Appell an Grimmson: "Deine Familie ist dort hinten." Er deutete in die entgegengesetzte Richtung zu der, aus der Thorin gekommen war. Thorin fiel ein riesiger Stein vom Herzen und ihm war, als würde es im Lager plötzlich heller werden. "Und wenn du die anderen Teilnehmer suchst, sie sind am nördlichen Rand des Lagers. Ich glaube sie wollen irgendetwas unternehmen, um den oder die Täter zu finden. Soll mir recht sein, ich habe ohnehin schon genug Arbeit hier. Kein weiteren Fragen jetzt!", ergänzte er, als Thorin gerade den Mund öffnen wollte. Schon drehte Ilmar ihm wieder den Rücken zu und setzte sein hitziges Gespräch mit den anderen Männern fort. Überrascht von der abweisenden und verärgerten Haltung Ilmars, drehte Thorin sich langsam um und ging in die Richtung, in die der Häuptling Skjergholms gedeutet hatte. Aber gab es jetzt über noch ein Skjergholm, von dem Mann Häuptling sein konnte? Als Thorin genauer darüber nachdachte, konnte er Ilmars Wut nachvollziehen. Sein ganzes Lebenswerk und das von seinem Vater und das von dessen Vater waren durch einen Brand - einen vermutlich willentlich gelegten Brand - zerstört. Und trotzdem wurde er vollends gefordert, die ganze Situation im Lager unter Kontrolle zu halten und sich im alle zu kümmern. Bisher war Thorin Ilmar immer als der Typ vorgekommen, den nichts aus der Ruhe bringen kann, doch bei einer solchen Situation, dachte Thorin, gehen wohl jedem die Nerven durch.

"Thorin!", ein spitzer Schrei riss den jungen Wikinger aus seinen Gedanken und schon spürte er, wie seine Schwester Lara ihre Arme um ihn warf. "Wir dachten, du wärst da nicht mehr rausgekommen. Oh, Thor, wir haben uns ja so große Sorgen um dich gemacht." Auch Erik und Tyr standen von den Satteldecken, die sie als Kissen zweckentfremdet hatten, auf und Thorin konnte sehen, wie die Anspannung von ihnen abfiel und Erleichterung in ihre Gesichter trat. "Wir sind sofort nach den ersten Explosionen zu den Drachenställen gerannt", setzte Lara ihren Redeschwall fort. "Wir dachten, du würdest auch dort hinkommen, und haben auch auf dich gewartet. Aber das Gebäude stürzte schon fast ein und wir konnten fast nicht mehr losfliegen. Orion haben wir dir natürlich auch mitgebracht." Schnurrend legte der Leuchtende Fluch seinen Kopf auf Thorins Schulter, wie als hätte er gewusst, dass er gerade erwähnt worden war. Sein Reiter löste sich aus Laras Umarmung und streichelte den Drachen am Kinn, der daraufhin noch lauter zu schnurren begann. "Schön dich heil wiederzusehen, mein Sohn", wandte sich nun Tyr an Thorin. "Aber ich fürchte, ich muss den Ilmar und den anderen Häuptlingen helfen und die Evakuierung planen. Ich glaube..." "Evakuierung?", fragte da Erik plötzlich. "Heißt das, das war's mit den Spielen?" "Ja, es scheint so, als ob der Angreifer zumindest dieses Ziel erreicht hätte", antwortete ihm Tyr traurig. "In all den Jahren mussten die Drachen-Festspiele noch nie abgebrochen werden, doch dieses Mal bleibt uns wohl keine andere Wahl. Das Dorf ist komplett zerstört und Odin weiß, wie viele Tote es gegeben hat. Vielleicht kann ich ja von Ilmar mehr erfahren. Jedenfalls haben die anderen Teilnehmer nach dir gefragt dir gefragt. Ich glaube, sie haben irgendetwas vor." "Ja, sie...", irgendwie hatte Thorin das Gefühl, dass er seinem Vater nicht unbedingt von den Plänen erzählen sollte, den Angreifer aufzuspüren. "...wollen Medizin für die Verletzten zu besorgen." Tyr blickte ihn misstrauisch an, aber er schien sich mit der Erklärung zufrieden zu geben und verließ sie daraufhin in Richtung der Versammlung rund um Ilmar. "Und was macht ihr wirklich?", fragte Erik, als Thorins Vater außer Hörweite war. "Ich weiß es selber nicht so genau, aber Ilmar hat davon gesprochen, dass sie die Verolgung des Angreifers planen." Diese Nachricht beunruhigte Erik sichtlich und auch Lara schien die Vorstellung nicht zu gefallen. Nach einer kurzen Schweigepause sagte Lara schließlich: "Aber pass bitte auf dich auf. Wir wollen dich nicht schon wieder verlieren. Wir würden dich ja gerne begleiten, aber Erik hat einige ziemlich schlimme Verbrennungen am Bein und es ist sonst keiner da, der sich um ihn kümmert." Erst jetzt fiel Thorin der provisorisch wirkende Stoffverband um Eriks Unterschenkel auf. Er nickte nur verständnisvoll, dann verließ er die beiden ohne ein weiteres Wort.

Kapitel 7: Die Suche Bearbeiten

Thorin nahm zuerst wieder den Weg, auf dem er vorher zu Ilmar und dann endlich zu seiner Familie gekommen war. Dieses Mal achtete er mehr auf die Menschen am Rand des schmalen Durchgangs und ihm fielen die vielen Leute mit teils verbundenden, teils noch unbehandelten Brandwunden auf. Auch er selbst spürte eine wunde Stelle an seinem Nacken, der während des Brandes nicht durch seinen Mantel geschützt gewesen war, doch der Schmerz war ertragbar und so konnte er ihn in den Hintergrund verdrängen. Gerade war es ihm wichtiger, die anderen Teilnehmer zu finden und mit ihnen einen Plan bezüglich des Täters zu schmieden. Zwischen einem kleinen Lagerfeuer, um das einige kleine Jungen und Mädchen weinend saßen und vermutlich auf ihre Eltern warteten, und einer Gruppe an Frauen, die die Kinder traurig ansahen, hindurch entdeckte er die vier anderen schließlich. Hicks war gerade dabei, den anderen seinen Vorschlag zum Vorgehen zu erläutern, als Lena Thorin bemerkte und die anderen darauf aufmerksam machte. "Gut, dass du hier bist", begrüßte ihn Hicks. "Ich habe den anderen gerade schon meinen Plan mitgeteilt und..." "Dieser Plan ist schlichtweg dumm!", fuhr ihn Alicia an. "Wenn wir uns aufteilen, könnten wir in einen Hinterhalt geraten." "Ich rede ja nicht davon, allein loszufliegen. Wir bilden zwei Gruppen und suchen jeweils eine Hälfte der Insel ab.", antwortete ihr Hicks, merklich bemüht sachlich zu bleiben. "Am besten stimmen wir ab", schaltete sich da Tyler ein, um die Situation zu beruhigen. "Wer ist dafür, sich in zwei Gruppen aufzuteilen?" Hicks hob sofort die Hand und nach einigem Zögern stimmte auch Thorin für diesen Plan. "Und wer ist dagegen?", setzte Tyler noch nach, obwohl das Ergebnis ja eigentlich schon fest stand. Überraschender Weise hoben aber nur Alicia und Tyler ihre Hände und alle starrten irritiert auf Lena. "I-Ich", stotterte sie, als stände sie stark unter Druck. "Bin für H-Hicks Plan." Thorin fragte sich beunruhigt, was mit der sonst so entschlossenen Lena wohl nicht stimmte. "Hm... dann fliege ich mit Thorin und Lena nach Norden und du suchst mit Tyler den etwas kleineren Süden ab", wandte sich Hicks an Alicia und konnte dabei seine Zufriedenheit über die Abstimmung nicht ganz verbergen. "Gut", erwiderte sie knapp und stolzierte mit zusammengekniffenen Augen zu ihrem Drachen.

Thorin, Hicks und Lena begannen ihre Suche knapp neben den teilweise immer noch brennenden Ruinen des einst so stolzen Dorfes, um dem beißenden Rauch zu entgehen, aber trotzdem mögliche Spuren vom Dorf aus zurückverfolgen zu können. "Unsere Drachen sehen vermutlich besser, ob es dort unten irgendwelche Hinweise gibt, nicht wahr, Ohnezahn?", stellte Hicks fest. Thorin gab Orion entsprechende Befehle und einige Minuten kreisten sie ergebnislos am Dorfrand, doch dann meldete Lenas Klingenpeitschling Schimmerflügel plötzlich etwas und Hicks und Thorin hatten Mühe mit dem gen Boden schießenden Drachen mitzuhalten. Als die beiden mit ihren Drachen landeten, kniete Lena bereits neben etwas, das sie im schwachen Licht der Sterne nicht genau erkennen konnten. "Licht!", rief Hicks Ohnezahn zu und Lena kreischte: "Nein!" Doch es war bereits zu spät. Sie konnte gerade noch rechtzeitig zurückspringen, als sich die kleine Ölpfütze unter dem Feuer des Drachens entzündete und ihnen somit offenbarte, was Lenas Drache gerade gefunden hatte. "Wir sind zu weit vom Dorf entfernt, als dass der Angreifer das Öl hier absichtlich ausgeschüttet hätte", bemerkte Hicks. "Vielleicht finden wir ja noch weitere Pfützen wie diese und können so mehr herausfinden. Aber im Dunkeln macht es wenig Sinn, noch weiter zu suchen."

Währenddessen lief Thorin zu Orion, um auf dessen Rücken nach seiner Familie Ausschau zu halten. Schnell gewann das Gespann an Höhe und schon bald konnte Thorin die gesamte Situation erfassen. Trotzdem sah er seine Familie nicht. Zum Glück versuchte Hicks zur selben Zeit, die Menschenmassen zu beruhigen. Er und ein paar andere erfahrene Wikinger geleiteten alle zu ihren Drachen und empfahlen ihnen aufzubrechen. Thorin wollte mithelfen, doch Hicks und seine Mitstreiter waren schon fast fertig. Darum entschloss er sich, der Ursache der Explosionen auf den Grund zu gehen. Auf Orion sauste er durch die Schluchten der Insel und hielt nach dem Täter Ausschau. Nach langem Suchen kam er in eine Sackgasse und beschloss, Halt zu machen. Er stieg ab und setzte sich auf den Boden. Da hörte er die vertraute Stimme, die er so sehr hasste. Und da kam auch schon das Netz.

Kapitel 8: Thytars Spiele

Die Stimme gehörte Thytar und hatte Thorin mitgeteilt, dass er in eine Falle getappt war. Aber wie war das möglich? Thytar war doch schon lange tot! Noch bevor Thorin allerdings weiter darüber grübeln konnte, trat sein alter Erzfeind hinter einem Felsen hervor und begann zu erklären: "Ich verstehe, dass du dich wunderst." Er lächelte hämisch, was Thorin mit einem grimmigen Blick erwiderte. "Ihr habt natürlich alle geglaubt, dass ich tot sei. Tss, ihr wisst nicht, wozu ich fähig bin!" Die letzten Worte brüllte er. "Na wenigstens haben Mingards Haie ihren Spaß an dir gehabt," spottete Thorin, als er Thytars Narben erblickte - jedoch ohne ein leises Stöhnen unterdrücken zu können, das Netz drückte schmerzhaft in seinen Rücken. "Pah!", sagte Thytar nur, gab einen kurzen Befehl, Thorin fühlte einen gleißenden Schmerz an seinem Hinterkopf und vor seinen Augen wurde alles schwarz.

Als der junge Wikinger wieder aufwachte, lag er mit dem Rücken nach unten auf einer Wiese, auf der wunderschöne Blumen wuchsen. Die Gewächse streckten sich der strahlenden Sonne entgegen, die das Paradies komplett machte.  "Das kann nur ein Traum sein!", murmelte Thorin. Sekunden später ertönte Thytars Stimme, die aus der Erde zu kommen schien: "Das ist es garantiert nicht - wohl eher ein Albtraum!" "Was zum..." dachte sich Thorin, während sein Erzfeind über seinen eigenen Witz lachte. Doch so plötzlich wie sein Lachen begonnen hatte, so abrupt hörte er wieder auf. In einem harschen Ton machte er die nächste Ansage: "Drachenreiter, alle mal herhören!" "Also sind auch die anderen hier", schoss es Thorin durch den Kopf. "Ich begrüße euch zu den ersten echten Drachenfestspielen!"

Was in Thors Namen hatte das zu bedeuten? Erst Thytars Stimme aus der Erde, dann diese merkwürdige Ankündigung - was ging hier vor sich? Und was können wir unternehmen? Sind alle entkommen? Das alles schoss Thorin durch den Kopf, während er sich stöhnend vom Boden aufrappelte. Da er nichts besseres tun konnte, erkundete er die Umgebung. Schnell stellte er fest, dass er immer noch auf Skjergholm war. Einige Minuten lief der Drachenreiter ohne Plan umher, bis Thytars Stimme wieder aus dem Boden erschallte: "Es ist interessant mit anzusehen, wie ihr wie schutzlose Küken umherstakt, ohne einen Hauch von Orientierung oder einem Plan." Er lachte kurz über seinen eigenen Witz, was sich durch den komischen Hall seiner Stimme sehr gruselig anhörte. Wahrscheinlich habt ihr so viele Fragen..." Thytar machte eine dramatische Spannungspause. "Und wenn ihr wollt, könnt ihr auf alle Antworten haben. Und - jetzt kommt das Beste - auch eure Drachen!" Thorin wusste sofort, dass es noch einen Haken gab. Und dieser kam auch sofort: "Ihr seht doch alle den riesigen Berg in der Mitte der Insel." Dieses gigantische Gebilde aus Fels war wirklich nicht zu übersehen. "Klettert einfach auf den Gipfel, dort liegt ein Brief mit Informationen bereit, und eure Drachen warten dort ganz brav - angekettet natürlich." Das "einfach" hatte Thytar ironisch betont - und das nicht ohne Grund: der Berg war riesig und seine Hänge steil.

Kapitel 9: Der TraumBearbeiten

Der Tag neigte sich schon dem Abend zu, und Thorin hatte noch nicht einmal die Hälfte seines Weges zum Gipfel geschafft. Seine Hände waren schon wund gescheuert und seine Kleidung an den Armen zerfetzt. Er hatte immer noch keinen anderen Drachenreiter gesehen, doch er war sich sicher, dass sie gerade die selben Torturen durchmachten wie er. Eine halbe Stunde, die ihm wie eine Ewigkeit vorkam, kletterte der junge Wikinger noch weiter, doch dann erkannte er, dass es keinen Sinn hatte in der Dunkelheit weiter zu machen. Schnell war eine kleine Höhle gefunden, die weit genug in den Fels hineinging, um nicht zu leicht heraus zu fallen, aber auch nicht zu groß war, um unbekannte Gefahren zu bergen. Trotz seiner um sich gewickelten Jacke fror Thorin, aber irgendwann schlief er dennoch ein und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Er träumte, dass er auf Mingards Dorfplatz war. Erik und Lara standen in der Mitte des Platzes auf einem Podium. Irgendwie sahen sie älter aus und hatten Festkleidung an. Hinter ihnen stand Thorins Vater und lächelte - Thorin fiel auf, dass alle gut gelaunt waren. Aber aus welchem Grund? Als Tyr dann einen Topf mit rotem Farbpulfer aus seinem Umhang zog, begriff Thorin sofort. Es gab zwar mehrere Festtage an denen solche Farbe als Gesichtsbemalung benutzt wurde, wie Geburten oder Ernennungen zum Häuptling, aber rote Farbe wurde nur für einen Anlass verwendet: Erik und Lara heirateten! Obwohl er überrascht war, freute er sich für seine Schwester und seinen besten Freund. Also feierte er mit und ließ sich von der guten Stimmung anstecken. Es war eine schöne Feier und sie dauerte lang. Doch auf einmal riss der Boden auf und Thytars neuer, junger Nadder stieg mit traurigen Augen aus dem Loch. Es sah fast so aus, als wollte sich der Drache dafür entschuldigen, was gleich passieren würde. Da begann er sich zu verändern: er wuchs und seine Haut wurde immer dunkler. Thorin wollte schreien, aber er konnte nicht: der junge Nadder hatte sich gerade in den gnadenlosen Nox verwandelt, Thytars Drache aus der Schlacht von Mingard. Sein Flammenstoß verschluckte alles und jeden und auch Thorin wusste, dass er gleich sterben würde. Plötzlich war er wieder mitten in der Schlacht von Mingard und schoss auf Orion zwischen den Feinden hin und her. Sein Blick glitt über das Schlachtfeld und sah den Drachen wieder, der ihn gerade fast getötet hätte. Sofort wusste er, was gleich passieren würde. Doch das mindert nicht sein Entsetzen. Der Nadder stürzt ab und reißt Adeus mit sich. Beide stürzen in die wogenden Fluten. Sie tauchen nicht wieder auf. Überall Schreie. Schreckliche Schreie. Todesschreie. Dann verschwamm alles vor seinen Augen.

Thorin schreckte schweißgebadet vom Boden hoch. "Es war nur ein Albtraum!", redete er sich hektisch ein. Schnell blickte der junge Wikinger aus dem Eingang der Höhle, um sich dessen zu vergewissern. Er bekam das erhoffte Ergebnis. Langsam kehrte sein Atem wieder in einen normalen Rhythmus zurück, und Thorin beruhigte sich wieder. Es dämmerte schon, also setzte er seinen Aufstieg fort.

Kapitel 10: Der GipfelBearbeiten

Thorin verfluchte sich selbst, dass er so viel auf seinem Drachen gemacht hatte. Er war es gar nicht mehr gewohnt, seine Insel zu Fuß zu erkunden. Orion hätte ihn in weniger als einer Minute zur Bergspitze geflogen. Gereizt nahm der Drachenreiter sich nun vor, wieder mehr ohne seine Drachen zu machen. Doch erst einmal musste er weiterklettern.

Gegen Mittag wurde der Fels immer flacher und Thorin konnte schon den Aufbau am Gipfel sehen. Dort war im Zentrum ein hoher Mast mit Thytars Flagge an seiner Spitze. Darum standen fünf Drachenkäfige im Kreis angeordnet. Drei von ihnen waren schon geöffnet, doch in den anderen lagen Drachen - Orion und ein Klingenpeitschling, der nach Thorins Erinnerung Lena Nachtherz gehörte. Mit schnellen Schritten lief er auf Orions Käfig zu - und wurde von einer Explosion hinter seinem Rücken voll erwischt. Die Druckwelle riss ihn nach vorne und er knallte mit voller Wucht an die Eisenverstrebungen des Käfigs. "Du hast Glück, dass ich meine Gegner nicht von hinten umbringe!", das kam von der Gestalt, die auf einem hellblauen Nadder auf der anderen Seite des Gipfels flog. "Das muss Alicia sein", schoss es Thorin durch den Kopf. Schon kam der nächste Flammenstoß und der junge Wikinger hechtete hinter den Käfig. Er hatte nicht erwartet, dass die Wikinger nicht begriffen, dass sie zusammen gegen Thytar kämpfen mussten. "Tja, dein Drache kann dir wohl jetzt nicht helfen!", kam schon die nächste abfällige Bemerkung von Alicia - sie meinte es also wirklich ernst mit dem Kampf! Doch das Stichwort "Drache" hatte Thorin wieder daran denken lassen, dass er Orion befreien musste, um Alicia zu besiegen. Schmelzen konnten die Drachen die Käfige wahrscheinlich nicht, so nachlässig wäre Thytar nicht gewesen. Und nach einem kurzen Blick auf das Schloss war auch klar, dass es wegen einem komplexen Mechanismus Zeit benötgen würde, es zu öffnen. Auf einmal kam ihm ein Plan - verrückt, aber vielleicht erfolgleich. Er musste es irgendwie schaffen einem der Stacheln des Nadders so knapp auszuweichen, dass es so aussah, als ob er getroffen worden wäre. Dann musste er sich nur noch tödlich verwundet stellen und seine Gegnerin würde ihn hoffentlich nicht mehr als Gefahr betrachten und verschwinden.

Seine Chance bekam Thorin schon sehr bald. Er hatte sich gerade zum Luftholen an den Käfig gelehnt, da schoss der Nadder einen Stachel in seine Richtung. In hoher Geschwindigkeit sauste das Projektil auf das Herz seines Ziels zu. Schnell. Zu schnell. Vor Angst gelähmt, konnte Thorin nichts tun. Der Stachel kam näher. Noch näher. Zu nah. Im letzten Moment stieß Orion gegen den Käfig und der junge Wikinger fiel ein Stück zur Seite. Der Stachel bohrte sich in seine Rüstung - nicht an der gewollten Stelle, doch mit der gewollten Wirkung. Mit vor Schreck geweiteten Augen sank Thorin auf dem Boden zusammen. Sein Plan war vollkommen schiefgegangen: er tat nicht nur so, als würde er sterben, er starb!

Kapitel 11: Die GrenzeBearbeiten

Der Stachel lag voller Blut neben dem zusammengekauerten Jungen. Er hatte sich einen Ärmel abgerissen und ihn um die Wunde gewickelt. Doch auf dem Tuch hatte sich schon ein großer roter Fleck ausgebreitet. Sein Drache, den er mit letzter Kraft aus dem Käfig geholt hatte, hatte sich schützend um ihn gerollt - er wusste um das Schicksal seines Reiters. "Danke", sagte der Junge kraftlos und machte dabei den schwachen Versuch eines Lächelns.

Plötzlich packte Orion den Wikinger mit seinem Maul und zog ihn auf seinen Rücken. "Hey, was?", sagte Thorin und stöhnte vor Schmerz auf. Dann hob der Leuchtende Fluch auch schon ab und als ginge es um Leben und Tod - was der Fall war - schoss er in atemberaubenden Tempo den Berg hinab. Das Eis wich immer mehr solidem Fels, der widerum in erdigen Boden mit den ersten Bäumen übergung. Verzweifelt klammerte sich Thorin an seinen Drachen fest. Was hatte Orion vor? Langsam flachte das Gelände wieder ab und in weiter ferne konnte man hinter den Wäldern schon das Meer sehen. Das Dorf musste auf der anderen Seite des Berges liegen. Langsam dämmerte es dem jungen Wikinger: sein Drache wollte von der Insel fliehen, um ihn in Sicherheit zu bringen. Aber so töricht, die Teilnehmer seiner Spiele nicht am Verlassen der Insel zu hindern, wäre Thytar nicht gewesen. Und so war es auch: entlang der ganzen Küste waren in regelmäßigen Abstanden Holztürme aufgestellt worden, auf denen schwer gepanzerte Soldaten mit Armbrüsten und Bögen standen, und höher in der Luft zogen Drachen in Rüstungen ihre Kreise. "Abdrehen - Schwachstelle suchen", zu mehr Worten war Thorin zu schwach, doch Orion verstand die Anweisung und machte eine weite Kurve nach rechts. Mit schmerzverzerrtem Gesicht suchte der Junge die Küste nach einer Schwachstelle ab, etwa einer größeren Lücke zwischen den Türmen oder einem Wachwechsel. Aber er fand nichts dergleichen. Stattdessen sah er etwas, was ihn fast noch mehr schmerzte als seine Wunde: auf einer der Türme stand Ilmar.

Ausgerechnet Skjergholms Häuptling Ilmar, der bei der Eröffnungsfeier und dem darauf folgenden Chaos so mächtig und standhaft gebenüber dem Bösen gewirkt hatte, hatte sich Thytar angeschlossen. Er wollte ihm schon seine Verachtung zeigen, indem er seinen Kopf demonstrativ wegdrehte, doch da hörte er durch Pfeifen des Windes das Brüllen eines Mannes, Ilmars Brüllen: "Zerstöre den Pfropfen im Inneren der Insel, dann fliegt hier alles in die Luft und ihr könnt fliehen." Am Nachbarturm wurde ein Bogen gespannt. "Die anderen Reiter wissen es schon. Die restlichen Wikinger sind evakuiert. Vertrau mir!" Dann drang der Pfeil in Ilmars Rüstung ein und beendete seine Worte - für immer.

Kapitel 12: Das EndeBearbeiten

"Nein!", Thorins Schrei ging im Brüllen des Windes unter, doch Orion spürte den Schmerz in der Seele seines Reiters. Der Drache war aus einem anderen Grund traurig, er hatte gerade einen Entschluss gefasst. In blinder Wut befahl Thorin seinem Drachen, sofort durch die Höhlen in den Berg zu fliegen, diesen Kristall zu zerstören und Thytar und seinen Leuten damit endlich ihr verdientes Ende zu bereiten. Doch Orion hatte offenbar andere Pläne, denn er flog in Richtung einer Lichtung, auf der etwas erspäht hatte.

Als sie sich unter Thorins zornigen Protesten der baumlosen Fläche näherten, entdeckten auch die Augen des Jungen, die schwächer als die seines Drachen waren, den Wikinger und seinen Nachtschatten auf der Lichtung. "Was soll das, Orion!", schrie Thorin Orion an, als dieser landete und ihn abwarf. Dann begriff er - doch zu spät. Der Drache war schon wieder in der Luft und setzte jetzt Kurs auf einen Höhleneingang. Thorin sackte zusammen und begann zu weinen. Hicks, der natürlich der Reiter des Nachtschattens war, bemühte sich, ihn zu beruhigen, doch die Nervosität in seiner Stimme war nicht zu überhören: "Dein Drache ist heldenhafteste auf der Welt, aber wir müssen jetzt gehen. Komm schon, hier fliegt gleich alles in die Luft!" Er zerrte den schlaffen Thorin auf Ohnezahn und ließ ihn in die Luft steigen. Mit einem letzten Blick konnte der Wikinger von Mingard noch sehen wie sein Drache im Berg verschwand.

Die Explosionen setzten etwa eine Minute nach dem Start von Hicks' Drachen ein. Dann kamen Erdbeben dazu und Teile der Klippe stürzten ins Meer. Flammen schossen an den Bäumen hervor und die mächtigen Stämme knickten ein wie Stöckchen. Auch die Türme der Wachen fingen Feuer und die Männer gerieten in Panik. Einige von ihnen versuchten auf die Wachdrachen zu gelangen, doch die flohen schon von der Insel. Der Berg brach auf und Lava floss die Hänge herunter. Das war das ultimative Inferno, das Ende, Ragnanrök, der Weltuntergang! Dann wurde Thorin schwarz vor Augen.

Kapitel 13: Von kleinen Dingen, großen Dingen und HeldenBearbeiten

Als kleines Kind hatten Thorins Freunde ihm einmal einen Streich gespielt und ihm im Schlaf einen Feuerwurm auf den Bauch gelegt. Bevor er zu heiß und gefährlich wurde, war er zum Glück aufgewacht. Ungefähr so fühlte er sich jetzt. Nur konnte er sich nicht erklären woher es kam. Er lag auf etwas Weichem, wahrscheinlich einem Bett, doch wie war er hier hergekommen. Die Festspiele! Dieses Wort löste eine Lawine an Erinnerungen aus. Thytars Rückkehr, seine Spiele und... Er schlug die Augen auf und fuhr hoch. Die durch das Fenster strömende Sonne blendete ihn und er verspürte einen starken Schmerz an seiner rechten Seite, doch das hielt ihn nicht auf.

"Bei Thor, bleib liegen!", Thorins Mutter lief erleichtert auf ihren Sohn zu. "Schön, dass du wieder wach bist." "Was ist mit - ", setzte Thorin an, doch Freya schnitt ihm das Wort ab: "Du hast bestimmt viele Fragen, aber du musst noch bis heute Abend warten, dann bekommst du Besuch." Mit einem verschwörerischen Zwinkern ging sie aus dem Zimmer, und Thorin verschwand wieder im Reich der Träume.

Am Abend wurde Thorin von seiner Mutter geweckt. "Dein Besuch ist da", sagte sie leise zu ihm. Der junge Wikinger richtete sich im Bett auf, und da kamen sie auch schon von der Treppe aus ins Zimmer: Wikinger, junge wie alte, Männer wie Frauen - es mussten mindestens zwanzig sein! Als erstes kam sein Vater, dicht gefolgt von Lara und Erik. Dann kamen ein paat weitere Bewohner von Mingard, und hinter ihnen kamen die Teilnehmer der Festspiele. Die restlichen Wikinger, kannte er nicht, doch zwei stachen besonders heraus: ein Mann trug traditionelle Gemwänder aus Skjergholm - vielleicht ein Botschafter - der andere, ein älterer Mann, hatte viele Narben.

Es wurden ein paar Glückwünsche für die Genesung erteilt, Thorin bedankte sich und ein großer Teil der Wikinger ging schon wieder. Nur Thorins Familie, Erik, der vermutliche Botschafter und der ältere Mann blieben. Jetzt begann Thorin mit den Fragen: "Was ist aus Skjergholm geworden? Wie ist das überhaupt passiert? Was wurde aus Thytar und seinen Männern?" Nun kam das wichtigste und er musste schlucken. "Hat Orion überlebt?" Der Botschafter von Skjergholm fing mit den Antworten an: "Skjergholm ist jetzt nicht mehr als ein paar Felsen, die aus dem Meer ragen." Als er Thorins schockiertes Gesicht sah, lächelte er freundlich und ergänzte schnell: "Wir werden schon eine neue Heimat finden, mach dir darüber mal keine Sorgen. Wir hätten sowieso nicht mehr lange bleiben können. Der, den dein - " Er hielt inne, da ihm bewusst wurde, dass er gerade zu einem heiklen Thema kam. "Der zerstörte Kristall hatte eine Öffnung verstopft, untert der aus der Erde Magma kam. Da diese nicht entweichen konnte, hatte sich dort ein enormer Druck aufgebaut. Es wäre also nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es Kristall gesprengt und auf natürlichem Weg an die Oberfläche gelangt wäre." "Und das soll einer verstehen?", fragte Erik. Bevor es zu einem riesigen Schwall an Erklärungen kam, fuhr Tyr, Thorins Vater, fort: "Alle Wikinger, bis auf euch, konnten zum Glück schon vor "Thytars Spielen" evakuiert werden. Ilmar wollte als Spion auf Mingard bleiben, um euch zu retten." "Er hat sein Leben - ", setzte Thorin wütend an, doch sein Vater unterbrach ihn: "Das wissen wir, aber er wollte bleiben und kannte das Risiko." "Aber das ist ungerecht! Wieso darf ich leben, und so viele andere nicht - egal was ihr sagt, ich weiß, dass Orion nicht überlebt haben kann!"

Es herrschte lange Stille. Dann flüsterte der ältere Mann Thorins Vater etwas zu, und dieser antwortete: "Natürlich, Valentin." Alle Wikinger, außer dem Mann, den Tyr Valentin genannt hatte, verließen den Raum. "Weißt du manchmal reichen schon kleine Dinge, um Sachen wieder in Ordnung zu bringen. Aber manchmal müssen auch große Dinge getan werden - so wie dieses Mal.", sagte der alte Mann zu Thorin. "Was wissen sie schon!", fauchte der junge Wikinger Valentin an. "Oh, mehr als du denkst. Ich kann dir helfen, wieder aus diesem Loch heraus zu kommen. Denk darüber nach!" Dann war Thorin wieder allein.

Kapitel 14: AbschiedBearbeiten

Es war ein wolkenverhangener Morgen. Das trübe Wasser schlug gegen die algenbewachsenen Kaimauern, die aus dem Felsen der Steilklippe gehauen worden waren. Ganz oben an der Klippe, zum Hafen ein bisschen nach rechts versetzt, war mit mächtigen Metallverstrebungen eine Startplattform für Drachen befestigt, die nun einen großen Schatten auf die Menge am Kai warf. Immer wenn sich die Bevölkerung von Mingard an diesem Ort versammelte, geschah dies aus einem von zwei Anlässen: entweder der Ankunft oder der Abfahrt eines Schiffes - diesmal hieß es Abschied nehmen. Auf zwei Schiffen, die jetzt noch mit schweren Eisenketten am Kai festgemacht waren, herrschte reges Treiben. Auf dem Segel des einen war unverkennbar die Silhouette eines Taifumerangs zu erkennen, das Wappen von Skjergholm. Die Mannschaft dieses elegant gezimmerten Zweimasters bestand aus dem Botschafter und ein paar anderen Einwohnern der zerstörten Insel, die dank ihrer kräftigen Statur wie gemacht für die harte Arbeit auf See schienen. "Der Botschafter unterhielt sich laut mit Tyr, der vom Steg aus das Schiff bewunderte: "Wo habt ihr das nur her? So ein Schiff habe ich wirklich noch nie gesehen!" Nachdem er erfahren hatte, dass das Schiff von einem Händler aus dem Süden stammte, verabschiedete er sich und ging - wenn auch ungern - zum anderen Schiff. Dieses war bedeutend kleiner und hatte kein Symbol auf dem Segel - kein Vergleich zu dem Prunkstück gegenüber und deshalb nichts für Tyr. Nur vier Leute waren darauf zu sehen. Der, den Mingards Häuptling gesucht hatte, war noch nicht unter ihnen.

"Hast du auch wirklich deine ganze Kleidung dabei?", fragte eine Mutter atemlos ihren Sohn. "Natürlich, Mama", beschwichtigte Thorin Freya - ebenfalls um Atem ringend. Der Junge hatte verschlafen und seine Mutter hatte, beschäftigt wie sie als Frau des Häuptlings war, nichts davon mitbekommen. Erst als der Botschafter aus Skjergholm angekündigt hatte, dass sie innerhalb weniger Minuten abreisen würden, hatte sie das Fehlen ihres Sohnes gemerkt. Niemand hatte ihr sagen können, wo er steckte, also war sie in einem Tempo, das laut dem scherzenden Erik Malstrom eines Schnellen Stachels würdig war, die gewundene Holzkonstruktion vom Hafen zum Dorf hinauf gelaufen. Dort war sie, einer Vermutung folgend, in ihr Haus und die Treppe hinauf gelaufen. Und tatsächlich, Thorin hatte immer noch unter seiner Decke gelegen. Schnell hatte er sich angezogen und gewaschen, dann waren sie beide wieder in großer Eile den ganzen Weg zum Hafen gelaufen. Die Koffer des Jungen waren schon auf das Schiff gebracht worden, und nun machte sich Freya Sorgen, ob auch wirklich alles Nötige in ihnen verstaut war: "Und was ist mit deinem Reiseproviant?" "Valentin hat doch Fässer voll mit Essen! Aber wenn es dich glücklich macht...", antwortete Thorin genervt, und seine Mutter antwortete schon etwas zärtlicher: "Ich will doch nur, dass mein Sohn auf seiner großen Reise gut aufgehoben ist." Thorin lächelte. Er war auf das Angebot von Valentin dem Jäger eingegegangen und ließ sich von ihm unterrichten. Endlich hatte er die Chance, die Tode seiner Drachen hinter sich zu lassen, noch einmal von vorne anzufangen, neue Horizonte entdecken.

Plötzlich wurde die Menge laut, und Erik und Lara kamen auf Thorin zu. "Komm, das Schiff aus Skjergholm fährt gleich ab. Das müssen wir und anschauen!", rief ihm seine Schwester zu, um die lautstarken Verabschiedungsrufe zu übertönen. Doch Thorin lehnte ab: "Tut mir leid, aber ich habe noch jemand anderen, von dem ich mich verabschieden muss." Mit einem Lächeln deutete er auf fünf helle Schemen, die immer näher kamen. Schon landete der erste Schemen - und stieß Thorin und leckte ihm über das Gesicht. "Hey, Nicka, lass das!", tadelte der junge Wikinger seinen Drachen mit einem Grinsen. Die restlichen Drachen landeten auch und stellten sich als Nickas Familie heraus: ihr Partner Weitwind, ein exotisch anmutender Drache ihrer Art, und ihre Kinder Adeus Jr., Nicka und Sirene. Alle drängten sich um Thorin und dieser setzte sich auf den Kai, um auf ihrer Augenhöhe zu sein: "Nicka, du warst ein toller Drache, aber deine Familie braucht dich jetzt mehr als ich. Ich komm dich ja auch mal wieder besuchen!" Er umarmte alle Drachen nacheinander und stand ein wenig traurig auf. Nicka erkannte, dass es Zeit war, zu gehen, und gab ihren Kindern ein Zeichen. Die ganze Familie erhob sich wieder in die Luft - nur der kleine Nick blieb noch sitzen. Thorin kniete sich direkt vor ihn: "Du schaust deiner Mutter so ähnlich. Und auch im Herzen bist du bestimmt genauso groß. Und jetzt flieg zu ihr, Kleiner, oder besser gesagt: Großer. Ihr seid jetzt ja schon zwei Jahre alt!" Ein letzter Tätschler, dann flog Nick zu seiner Familie.

Der Junge lief mit festem Schritt über die ausfahrbare, hölzerne Verbindung zwischen Kai und Schiff. Das gehisste Seckel knisterte im Wind und die Mannschaft machte die letzten Vorbereitungen. Ganz vorne am Steg standen Tyr, Freya, Lara und Erik. Er hatte es nicht geschafft auch zu seinen menschlichen Freunden solch eine Abschiedsrede wie zu Nicka und ihrer Familie zu machen, also hatte er es bei einer einfachen Umarmung und einem "Bis bald" belassen. Schon wurde die Einstiegsverbindung eingefahren, dann wurde die Kette gelöst. Letzte Grüße wurden ausgetauscht, dann fuhr das Schiff los - und so manches Auge blieb nicht trocken. "Ich komme bald wieder!", brüllte Thorin gegen den Wind, doch er war sich selber nicht so sicher, ob das stimmte. Er winkte noch, bis Mingard am Horizont verschwunden war, dann lief er zum Bug, wo Valentin stand. Der Junge warf einen kurzen Blick auf seinen neuen Mentor und wandte sich dann dem endlosen, tiefblauen Ozean entgegen - und einem neuen Leben.

EpilogBearbeiten

Langsam lichtete sich der Rauch und man konnte das Ausmaß der Zerstörung sehen. Von der einst so majestätischen Insel waren nur noch einige Felsnadeln übrig geblieben, die steil aus dem Meer aufragten. Auf einer dieser Nadeln hatte sich ein Riesenhafter Albtraum zusammengekauert. Narben überzogen seine dunkelroten Schuppen und eine dünne Schicht Asche hatte sich über ihn gelegt. Seine Flügel waren seltsam positioniert, als ob darunter ein Hohlraum läge, den es zu beschützen galt. Der Drache vergewisserte sich, dass von der Asche und den schwelenden Überresten des Vulkans keine Gefahr mehr ausgingen. Als er sich sicher war, öffnete er seine Flügel und schüttelte die Asche von seinem Körper. Unter den Flügeln kamen zwei Männer zum Vorschein. Der eine, ein junger Mann mit blonden Haaren und einigen Narben im Gesicht, musste sich auf den anderen stützen, um nicht zu hinzufallen. "Danke", murmelte er schwach. "Lob den Tag lieber nicht vor dem Abend", gab der andere hämisch zurück. Er hatte schwarzes, fettiges Haar und einen dichten Bart. "Du weißt noch nicht, was der Oberste mit dir vorhat. Aber ich glaube, dass ich dich davor bewahren kann." Mit diesen Worten stieß er den Blonden von dem Felsen.

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